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Torial Academy: 10 Fragen an Marcus Jordan

Als gemeinnütziges Projekt der August Schwingenstein Stiftung präsentiert sich Torial.com als Plattform für Journalisten, um deren kreative Energie in effektive Bahnen zu lenken. „Ein Art Schaufenster für Journalisten, die zeigen wollen, was sie können und anzubieten haben“, schrieb Herausgegeben.com. Jetzt geht Torial noch einen Schritt weiter: Start der Torial Academy am 8. September 2015 mit dem ersten Dozenten Richard Gutjahr – in einem Webinar. Dahinter steckt Marcus Jordan, Geschäftsführer der Schwingenstein-Stiftung und Spiritus Rector bei Torial. 10 Fragen an Marcus Jordan.

An wen richtet sich das Bildungsangebot der Torial Academy?

Teilweise sehr dezidiert an Journalisten, aber alle Angebote sind kostenfrei und offen und es wird sicherlich auch sonst Interessierte geben. Gerade die thematischen Angebote um Hintergründe und Quellen sind für viele interessant. Die meisten Angebote werden zunächst auf deutsch angeboten, aber im Herbst wird es auch auf englisch ein 5stufiges Seminar zum Thema „Migration and Asylum“ geben, in das Journalisten aus afrikanischen Staaten eingebunden sind.

Marcus Jordan Torial Academy

Marcus Jordan mit Pit Gottschalk (rechts)

Was ist der Unterschied zu klassischen Journalistenschulen oder, weil Torial aus München kommt, zur Akademie der Bayerischen Presse?

Bis auf Weiteres ist alles online, kostet nichts und jeder kann spontan mitmachen. Wir können sehr spontan auf den Markt und das Geschehen reagieren und brauchen keine festen Lehrpläne. Inhaltlich sind wir sicher eher Fort- als Ausbilder.

Storytelling, Grundsatzfragen oder Business: Wie setzt die Torial Academy die Prioritäten, wenn es um die Gestaltung der Zukunftsfragen von Freien Journalisten geht?

Ebenfalls flexibel. Wir reagieren auf aktuelle Diskussionen und neue Werkzeuge und Services. Zunächst liegt der Schwerpunkt eher auf technischer Fortbildung und auf neuer Arbeitsdynamik und Methode.

Was werden konkret die Schwerpunkte beim Angebot von Fortbildung im nächsten Jahr sein?

Technische Innovation und ihre tatsächliche Relevanz einerseits – das wollen wir schwerpunktmäßig gemeinsam mit dem MedienLab München machen. Und dann wollen wir eben große Themen kooperativ bearbeiten und vernetzt recherchieren. Anders als correctiv wollen wir aber keine journalistischen Inhalte anbieten, sondern Grundlagen für gute Berichterstattung schaffen und mögliche neue Methoden ausprobieren und zeigen.

Zum Start gibt’s Richard Gutjahr zum Thema Live-Streaming: Warum ist das Thema so wichtig, dass man damit beginnt?

Das Thema schwirrt jetzt seit einem halben Jahr rum. Drei große Dienste sind gekommen, haben sich gegenseitig überflügelt, viele haben experimentiert, teure Bezahlinhalte wurden geleaked und so richtig angekommen ist das Ding noch nicht. Ich glaube viele fragen sich jetzt, was jetzt damit ist. Wird es wirklich für sie relevant? Was kann man denn damit machen? Welcher Dienst ist für was am besten? Wie funktioniert es? Richard fasst das mal zusammen.

Torial.com vereinigt Tausende von Journalisten auf seiner Plattform. Die werden sicherlich sehr dankbar für eine Academy sein, oder?

Ja, auch die 3000 Torialisten hoffen wir zu begeistern und übrigens bei kommenden Formaten auch einzubinden. Andersherum werden wir bei den großen Produktionen der academy die Experten und Interessierten in entsprechenden Gruppen bei Torial sammeln und hoffen so die community bei torial zu vergrößern und zu internationalisieren. Auch wenn Torial bis jetzt noch langsam wächst, wir wissen, dass die semantische geordnete Verfügbarkeit journalistischer Expertise immer wichtiger wird. – für kooperatives Arbeiten und einen dynamischen Markt.

Die Schwingenstein-Stiftung, die hinter Torial steht, ist bekannt dafür, die tägliche Arbeit von Journalisten im Sinne des Qualitätsjournalismus zu unterstützen. Inwiefern passt die Academy in diese Strategie?

Die Anforderungen an einen guten Journalisten waren schon immer hoch. In der jetzigen Krise, in den Wirren dieser digitalen Revolution sollen Journalisten nun auch noch mit einem Sperrfeuer von technischer Innovation aktiv umgehen, sie sollen alle selber Geschäftsleute sein und nebenbei bitte auch den Markt neu erfinden. Wir hoffen da Orientierungshilfe und Inspiration zu sein, so dass die Konzentration auf die eigentliche Arbeit möglich bleibt.

Hat Journalismus angesichts der Medienkrise eine Zukunft?

Ja. Wie er aussieht ist die Frage, aber was er leisten muss ist klar. Nur mit unabhängigem und vielseitigem Journalismus ist eine mündige Bürgerschaft möglich und nur auf dieser Basis Demokratie. Um nichst weniger geht’s.

Unter 2500 Euro verdient ein Freier Journalist im Durchschnitt. Was kann Torial und die Academy leisten, um die Situation zu verbessern?

Wir hoffen einzuzahlen auf effektivere, schnellere und bessere Produktion und wollen auch versuchen die besten Ausbilder in Sachen bessere Vermarktung einzubinden.

Über welche Charaktereigenschaften sollte ein Journalist in Zukunft verfügen müssen?

Für die, die nicht lernfähig und willig bleiben, wird es sehr schwer. Ich denke, dass man sich vor allem schnell vom Einzelkämpferdenken lösen muss und neue Kooperationsformen, neue Kollektive lernen muss.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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