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Snapchat: Unbesetztes Feld für Journalisten

Ein bisschen Zeit habe ich gebraucht, um die Welt von Twitter zu verstehen. Jetzt, da ich über 3700 Follower auf Twitter habe und die eigene Sprache mit Hashtags verwende, jage ich im hohen Maß Sportnachrichten durch die Welt. Ich bin stolz, dass ich den Bogen raushabe — und schaue doch neidisch wie ein kleines Kind auf den Twitter-Account des TV-Journalisten Armin Wolf, der über 250.000 Follower hat. In Worten: über zweihundertfünfzigtausend. Und bevor ich dazu komme, die Lücke zwischen uns beiden zu schließen, kommt schon das nächste Ding um die Ecke — Snapchat.

Müssen wir Journalisten Snapchat beachten?

Meistens habe ich über Snapchat nur gehört, dass ich es nicht beachten sollte. Zielgruppe Junge Leute und so. Etwas zum Spielen. Allenfalls zum Zeitvertrieb. Wie PokemonGo.

Snapchat

Ist Snapchat etwas für Journalisten?

Seit ich auf dem Reporter-Forum einen Workshop mit Richard Gutjahr besucht habe, denke ich darüber anders. Auch hier gilt: Man muss sich in diese Welt hineindenken. Ich lernte: Snapchat ist für Journalisten ein unbesetztes Arbeitsfeld.

Wenn man die App kostenlos auf dem iPhone installiert hat, sieht man eine Menge an netten Dingen: Bilderrahmen, Bildchen fürs Foto, Kamerafilter für Fotos und Videos. Alles nett – just nice to have. Kann man haben — muss man aber nicht. Versehentlich habe ich den Bildschirm dann in die andere Richtung geschoben. Und plötzlich — sehe ich eine Vielzahl von großen Medienmarken. CNN. Daily Mail. BuzzFeed. National Geographic. Cosmoplitan.

Die Reihe hört nicht auf, und ich unterstelle mal: Die wären nicht dort, wenn Snapchat nur eine Spielerei wäre. Ich lernte, dass die Medienmarken sogar Geld dafür zahlen, dass sie auf Snapchat erscheinen. Nun, Geld rauswerfen wollen die auch nicht. Ich wurde neugierig. Warum tun die das? Und was bedeutet das für eine kleine Website wie viply.de zum Beispiel, die sich an jüngere Leser wendet?

Snapchat überrascht immer wieder

Noch bevor ich die Fragen beantworten konnte, wurde ich ein weiteres Mal überrascht. Da sind nicht nur lustige Fotorahmen, mit denen Teenager ihre Fotos aufwerten. Da gibt es auch Fotorahmen, die von Weltfirmen wie beispielsweise McDonald’s gesponsert werden.

Werbung auf Snapchat? Gerüchte besagen, dass manche Firmen 750.000 US-Dollar im Monat für diese Werbung auf Snapchat bezahlen. Für Werbung, die ein paar Bildchen und etwas kleiner die Marke zeigt. Was für eine verrückte Welt, dachte ich noch. Offenbar handelt es sich um Big Business.

Das Datensystem bemerkt, wo sich der User befindet, zum Beispiel bei der Fußball-Europameisterschaft im Stadion, und stellt die passenden Fotorahmen zur Nutzung bereit. Zum Beispiel einen Paris-Rahmen — von EM-Sponsor Coca-Cola bezahlt. Die Rechnung ist einfach: Selbst wenn der User diesen Rahmen nicht benutzt, hat er auf seinem Handy Kontakt mit einer Marke, die einen Bezug zu ihm hat. Junge User nutzen die App angeblich 20-mal am Tag. Benutzen die den Fotorahmen, ist das nur der Bonus oben drauf. Das Sponsoring ist total sinnvoll.

Snapchat bietet überragendes Geschäftsmodell

Was für ein großartiges Geschäftsmodell für Snapchat: Auf ihrer Plattform kassieren sie Geld einerseits von den Inhalte-Herstellern und andererseits von der Werbeindustrie, und das nur, weil ihre Features auf der Plattform junge Leute zu treuen Nutzern machen und zum Verschicken von Nachrichten verführen.

Twitter ist als Nachrichtenkanal natürlich noch immer relevant für mich. Aber ich weiß: Ich muss über Snapchat noch viel mehr lernen. Noch ist nicht abzusehen, welche Möglichkeiten für uns Journalisten entstehen. Aber wie sagte Richard Gutjahr sehr richtig: Ein unbesetztes Feld sollte von Journalisten möglichst rasch besetzt werden. Wie einst bei Twitter.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen

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