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Next Media Accelerator: 10 Fragen an Nico Lumma

„Du hast ein Start-Up?“, fragt der Next Media Accelerator frech auf seiner Website. Und zeigt drei junge Menschen in einer Arbeitsatmosphäre, wie man sich ein Start-Up vorstellt: entspannt, kooperativ, engagiert. Wenn man teilnehmen möchte, muss man schon ein bisschen Englisch können: Obwohl die Initiative von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit deutschen Partnern gestartet wurde, ist die Ausrichtung international. Schon dieses Wort: Accelerator – bedeutet nichts anderes, als dass es um eine Einrichtung geht, die Start-Ups in einem bestimmten Zeitraum durch Coaching zu einer schnellen Entwicklung verhilft. Zu den Treibern beim Next Media Accelerator gehört einer, der von sich sagt, dass er „seit 1995 nicht mehr offline“ war: 10 Fragen an Nico Lumma aus Hamburg.

Next Media Accelerator klingt spannend, aber sperrig. Gibt es in Hamburg kein deutsches Wort dafür?

Nico Lumma vom Next Media Accelerator

Nico Lumma vom Next Media Accelerator

Warum wird eigentlich immer erwartet, dass Fachbegriffe aus dem Englischen eingedeutscht werden müssen? Ein Accelerator ist eine Art Durchlauferhitzer für junge Firmen, und wir kümmern uns nur um Medien-Startups, allerdings in ganz Europa und Israel. Daher ist der Name der Firma auf Englisch gehalten, ebenso wie unser gesamtes Angebot. Wir holen die besten Medien-Startups nach Hamburg, hier arbeiten wir sechs Monate mit ihnen zusammen und investieren bis zu 50.000 Euro pro Firma und bekommen dafür bis zu 10 prozent der Anteile der Firma.

Zur Konstruktion dieses Programms: Wer steckt dahinter – und wer arbeitet mit?

Initiiert wurde der „next media accelerator „von der Deutschen Presse Agentur dpa, geleitet wird die Firma von Dirk Zeiler als CEO und mir, als Dritter im Bunde ist Meinolf Ellers, CDO der dpa, der für uns quasi der Brückenkopf zur etablierten Verlagsbranche ist.

Zu den Investoren gehören Verlage. Was haben die von ihrem Investment?

Wir haben für unseren ersten Fonds zehn Investoren aus der Medienbranche gewinnen können, die alle je 200.000 Euro investiert haben. Zwar haben Medienhäuser wie Axel Springer, Gruner & Jahr, Die Zeit, Der Spiegel und auch die ebenfalls investierten Regionalverlage unterschiedliche Motivationen hinter dem Investment, aber sie bekommen vor allem eins: Zugang zu Innovationen. Wir nennen das Innovation as a Service – wir identifizieren erfolgsversprechende neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Content, Advertising, Technology und Services – immer mit Bezug auf die Medienbranche. Zu unseren Aufgaben gehört es dann, erste Tests oder Kooperationen zwischen den Start-Ups und unseren Investoren anzuschieben, daraus entstehen dann gerne gemeinsame neue Projekte und neue Umsatzchancen.

Next Media Accelerator und Journalismus

Welche Rolle könnten Journalisten dabei spielen?

Website Next Media Accelerator

Die Website vom Next Media Accelerator

Ein große. Leider haben wir viel zu wenig Bewerbungen für unser Programm mit einem starken journalistischen Fokus. Wir suchen nach Geschäftsmodellen, die Journalismus und Technologie so kombinieren, dass sie ihre Zielgruppen erreichen und skalierbar sind. Wenn man sich anguckt, welche neuen und vielfältigen Contentmodelle an der Ostküste der USA gerade entstehen, dann sehe ich hier auch in Europa noch viel Potential.

Nach welchem Prozess können Journalisten im Programm aufgenommen werden?

Das Verfahren ist für alle BewerberInnen gleich. Wir haben ein Bewerbungsformular unter http://nma.vc/apply-now – dort kann man sich immer anmelden, auch abseits unserer Deadlines. Wir erwarten eine Art Prototyp, eine kurze und knackige Präsentation (zehn Slides reichen aus) und einen groben Finanzplan, damit wir wissen, wohin die Reise gehen soll. Wir antworten zügig, entweder mit einer Absage oder weiteren Fragen.

Welche drei Kompetenzen sollten Bewerber mitbringen?

Idealerweise bewerben sich bei uns Teams, die ihre Kompetenzen aufteilen in Produkt, Technologie und Marketing/Vertrieb. Also ein Dreierteam wäre schon prima, wenn Technologiekompetenz fehlt, dann wird es schwierig.

Wie hoch sind Hürden, um mit einer Idee durchzukommen?

Das Geschäftsmodell sollte plausibel sein und deutlich skalieren. Wir sind ein Accelerator, d.h. wir machen Start-Ups fit für die erste Venture Capital Finanzierung in Höhe von 500.000 bis 1 Million Euro. Dementsprechend muss auch der Businessplan aussehen. Wer mit unseren 50.000 Euro nach drei Jahren einen Break Even erreichen will, ist uns eher zu unterambitioniert.

Und wenn es gelingt: Was passiert dann?

Firmen, die bei uns aufgenommen werden, dürfen sechs Monate vor Ort in Hamburg verbringen. Wir unterstützen die Teams bei der Produktentwicklung, beim Business Development und beim Fundraising für die anstehende Finanzierungsrunde. Wir werden unterstützt von weit über 100 Mentoren, die allesamt Fachleute auf ihren Gebieten sind und ihr Erfahrungen gerne mit jungen Teams teilen.

Wer prüft die Geschäftsmodelle, die hinter den Ideen stecken, auf ihre Nähe zur Realität?

Ich studiere seit über 15 Jahren Businesspläne von Start-Ups, da erkenne ich auch mal das ein oder andere Muster und weiß, dass das nichts werden kann. Manchmal täusche ich mich natürlich auch. Oder wir sind uns generell unsicher. Dann diskutieren wir das Geschäftsmodell mit unseren Investoren oder Mentoren.

Gehört die Möglichkeit des Scheiterns zum Programm?

Natürlich. Wir tun alles, damit unsere Start-Ups erfolgreich werden und in der nächsten Finanzierungsrunde viel Geld einsammeln, um noch schneller wachsen zu können, wie uns das beispielsweise bei Adtriba und Spectrm im ersten Durchgang gelungen ist. Aber nicht alle Teams werden erfolgreich sein. Normalerweise scheitern neun von zehn Start-Ups, denn man kann Start-Ups auch als eine Art ausgelagerte Produktentwicklung ansehen, und da gehört Scheitern natürlich dazu. Wir sorgen allerdings dafür, dass die Start-Ups bessere Chancen haben, auf einem stark umkämpften Markt mit ihrem Produkt zu bestehen und zu wachsen. Für unsere Investoren bedeutet das, dass sie immer wieder neue Entwicklungen sehen, aber nicht das Risiko eingehen, mit eigenen personellen und finanziellen Ressourcen Produkte zu entwickeln und einzuführen, die dann doch nicht funktionieren. Da ist es einfacher, kostengünstiger und schneller, mit unseren Start-Ups neue Projekte zu testen und dann nach einem positiven Test dauerhaft einzuführen.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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