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Netzökonom: 10 Fragen an Holger Schmidt

Auf seinem Blog Netzökonom greift Dr. Holger Schmidt regelmäßig steile Thesen zur digitalen Wirtschaft auf. Zum Beispiele diese hier: „Chinas Roboter und Googles Software sind eine gefährliche Konstellation für Deutschland“ von Fraunhofer-Forscher Thomas Bauernhansl. Euphorie zum Geldverdienen im Internet kann man von ihm nicht erwarten. Was die Leser erwarten dürfen: eine kritische Auseinandersetzung über die Folgen einer digitalisierten Welt. Holger Schmidts Einschätzung hat Gewicht: Als Chefkorrespondent für das Magazin Focus und ehemaliger FAZ-Journalist beschäftigt er sich mit Medienwandel, Social Media, E-Commerce, Online Marketing, halt mit der Internet-Industrie 4.0. Er ist das beste Beispiel dafür, wie auch festangestellte Journalisten und Redakteure, die im Verlagswesen verankert sind, mit einem eigenen Blog punkten können. 10 Fragen an Holger Schmidt.

Der Newsletter von Netzökonom ist inzwischen zur Pflichtlektüre in der Branche geworden: War es eine schwierige Erweiterung der Printwelt um einen Emailverteiler?

Nein, gar nicht. Ich wollte den Lesern die Möglichkeit geben, meine Beiträge in der Form zu abonnieren, die sie mögen. Twitter, Facebook oder RSS setze ich schon seit vielen Jahren ein. Die gute alte E-Mail ist spät hinzugekommen, aber sie hat einige Vorteile: Sie ist etabliert, kein Algorithmus bestimmt, ob meine Leser sie zu sehen bekommen, und ich kann die Beiträge als Volltext versenden, um das Lesen auf Smartphones so einfach wie möglich zu machen.

Wie lange braucht man als Einzelkämpfer in der digitalen Welt, um sich in der Netzökonomie Respekt und Anerkennung zu verschaffen?

Netzökonom Holger Schmidt

Netzökonom Dr. Holger Schmidt

Ich mache den Job schon einige Jahre, aber die Kombination aus Print und Netzökonom-Blog hat Sichtbarkeit und Resonanz spürbar erhöht. Zwei bis drei Jahre Aufbauarbeit sollte man aber einkalkulieren. In der Print-Welt profitiert man als Journalist bis zu einem gewissen Punkt von der Medienmarke; im Netz muss man sich seine Reputation von Anfang an erarbeiten. Das kann dauern, wirkt aber nachhaltiger.

Wie groß ist die eigene Leserschaft im Lauf der Jahre gewachsen?

Meine Blog-Beiträge wurden insgesamt 4 Millionen Mal gelesen. Mir ist Qualität wichtiger als Quantität – was ich zugegeben leicht sagen kann, da ich mein Blog nicht mit Werbung finanziere. „Clickbait“ bringt auf lange Sicht aber gar nichts.

Ist die Reichweite ein Argument, exklusive Interview-Termine zu erhalten?

Ja, hin und wieder schon. Das Thema gewinnt wegen der Tendenz zu Bezahlmodellen gerade wieder an Bedeutung.

Passen Journalismus und Bloggen zusammen?

Ich sehe keinen Widerspruch. Im Gegenteil: Ein Blog zu schreiben war sicher eine der besseren Entscheidungen im meinem Berufsleben.

Taugt Kara Swisher als Vorbild, um mit Relevanz und Reichweite auch in Deutschland ein Geschäftsmodell als Blogger aufzubauen?

Bedingt, denn ihr Recode-Blog wurde gerade verkauft. Eher ein Zeichen, dass sich selbst hochwertiger Content nur schwer monetarisieren lässt, selbst wenn Konferenzen wie bei Recode hinzukommen.

Werbefinanzierung wird wahrscheinlich nicht als Erlösquelle reichen, oder?

Nein. Solange der Online-Werbemarkt den schnellen Klick genauso bewertet wie das intensive Lesen einer Geschichte, wird das auch nichts mehr. Adblocker und die Dominanz der Plattformen auf Smartphones machen es nicht einfacher. Eine direkte Monetarisierung ist kaum zu schaffen.

Wenn man die Woche plant: Worauf muss man beim selbstbestimmten Publizieren achten?

Ich greife nur selten aktuelle Ereignisse auf, sondern schreibe, was ich für wichtig halte.

Wie wichtig ist die Spezialisierung auf ein Thema? Und lässt sie genügend Raum für Veränderung?

Mit der Wahl des Namens war mein Thema quasi vorgegeben; sich auf ein Gebiet festzulegen, halte ich für sinnvoll. Raum für Veränderungen ist trotzdem vorhanden. Zuerst kam Social Media hinzu; nun erleben wir die zweite Welle der Digitalisierung, die vor allem die traditionellen Unternehmen erfasst. Themen wie digitale Transformation, das Internet der Dinge oder „Arbeiten 4.0“ sind also zur klassischen Netzökonomie und Medienthemen hinzugekommen.

Gibt es Platz für Mitbewerber?

Natürlich. Aufgrund der Finanzierungsprobleme ist die Zahl der deutschsprachigen Blogs in meinem Themengebiet aber eher gesunken. Einige Tech-Blogs konzentrieren sich mehr als Gadgets, andere auf die Startups.

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Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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