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LousyPennies: 10 Fragen an Karsten Lohmeyer

Unter Journalisten in München ist dieses Seminar ein Geheimtipp: LousyPennies veranstaltet in regelmäßigen Abständen einen Einsteigerkurs zum Bloggen – und wird großzügig vom Münchner Presseclub unterstützt. Die zwei Tage kosten standardmäßig 199 Euro. Mitglieder vom Presseclub München und Studenten zahlen 99 Euro. „In unserem zweitägigen Seminar erhältst Du das nötige Handwerkszeug, um als Journalist/in oder anderweitiger Medienmacher mit dem eigenen Medium (WordPress-Blog) im Netz zu starten“, verspricht LousyPennies-Initiator Karsten Lohmeyer in seiner Terminankündigung. Er nennt seinen Workshop eine Anleitung zum „selbstbestimmten Publizieren“. Hier die zehn Fragen an Karsten Lohmeyer.

Selbstbestimmtes Publizieren: Was heißt das konkret?

„Selbstbestimmt Publizieren“ heißt nichts anderes, als dass ich mein eigener Chef bin und ohne Verlag, Chefredakteur oder andere Hierarchiestufen entschieden kann, was ich wie veröffentliche. Das geht theoretisch ja auch in Print, ist aber mit deutlich mehr Kosten und Aufwand verbunden, als wenn ich es digital versuche. Doch auch digital ist der Aufwand nicht zu unterschätzen. Als Einzelkämpfer selbstbestimmt zu publizieren bedeutet auch, dass man nicht nur Chefredakteur, Autor und Textchef in einem ist, sondern eben auch Vermarkter, Verkäufer, Social Media Manager und Vertriebler in einem.

Und warum ist es für Journalisten wichtig, selbstbestimmtes Publizieren zu beherrschen?

Karsten Lohmeyer by Dan Taylor

Karsten Lohmeyer by Dan Taylor

Dafür gibt es tausend Gründe. Der erste ist ein ganz emotionaler: Für mich gibt es nichts Schöneres, als selbstbestimmt zu publizieren. Für dieses Gefühl, selbstbestimmt meine Herzensthemen zu veröffentlichen, bin ich Journalist geworden. Und dann ist da dieser Lerneffekt: Als selbstbestimmter Publizist lerne ich in einem Jahr mehr über unser Handwerk als in zehn Jahren als angestellter Online-Redakteur, der oft gar nicht viel anders arbeitet als vor zehn oder zwanzig Jahren Zeitungsredakteure. Früher hat er halt ein Zeitungs-Redaktionssystem gefüllt, heute ein Online-CMS.

Als selbstbestimmter Publizist bin ich über seine gesamte Lebensdauer hautnah an meinem Artikel dran, sehe Zugriffszahlen, Kommentare, Reaktionen in den sozialen Medien und führe aktiv die Diskussion. Das ist übrigens durchaus eine Anforderung, die ich auch an einen „normalen“ Online-Redakteur im Jahr 2015 stellen würde, ebenso wie die intensive Beschäftigung mit den sozialen Medien. Oft ist das aber im klassischen Redaktions-Workflow in dieser Tiefe gar nicht möglich.

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Weitere Gründe liegen auf der Hand: Erstens kann es durch das Bloggen gelingen, sich als Marke und Experte zu positionieren und so neue Aufträge und auch Festanstellungen zu generieren. Ein Blog kann ein echter Karriere-Booster sein: Alles was ich in den letzten drei Jahren beruflich erreicht habe, liegt in meinem Blog begründet. Und zweitens ist selbstbestimmtes Publizieren tatsächlich insbesondere für freie Journalisten eine Möglichkeit, zumindest zusätzliches Geld zu verdienen und aufgrund der Sparmaßnahmen in den Verlagen wegbrechende Einnahmen zu kompensieren.

Warum findet der Workshop am Wochenende statt?

Viele unserer Teilnehmer sind festangestellte (Print-)Redakteure, die sich das Seminar aus eigenem Antrieb heraus leisten, weil sie sich in ihren Verlagen nicht ausreichend gefördert fühlen. Sie müssen also keinen Urlaub für das Seminar nehmen. Bei den vielen freien Journalisten und anderen Medienmachern ist es ja ähnlich. Das Wochenend-Seminar passt einfach viel besser in die persönlichen Terminpläne von vielbeschäftigen Menschen. Auch für die Mütter unter unseren Teilnehmerinnen ist es oft einfacher, die Kinder am Wochenende unterzubringen.

Warum fördert der Münchner Presseclub den Workshop?

Weil der Presseclub erkannt hat, dass Bloggen oder eben selbstbestimmtes Publizieren ein ganz wichtiges Handwerk für Journalisten ist und uns bei unserer „Mission“ unterstützen möchte, Kollegen dieses Handwerkszeug nahezubringen. Hier muss man mal ganz laut und deutlich Elia Treppner erwähnen, der sich beim Presseclub München sehr stark für die Förderung von journalistischen Bloggern einsetzt und es auch möglich gemacht hat, dass der von der Münchner Journalistin Karin Hertzer gegründete Bloggerstammtisch München nun regelmäßig im Presseclub stattfindet.

Wie wichtig das Bloggen für Journalisten ist, zeigt vielleicht auch, dass unser Seminar inzwischen 1:1 in den Lehrplan der Deutschen Journalistenschule aufgenommen wurde.

Was sind die drei wichtigsten Lernziele, die Journalisten beim LousyPenny Workshop mitnehmen?

  1. Technische Grundlagen für das selbstbestimmte Publizieren: Wie setze ich ein WordPress-Blog auf?
  2. Das Mindset fürs Publizieren im Online-Zeitalter: Was bedeutet es, Blogger (selbstbestimmter Publizist) zu sein?
  3. Social Media, Markenaufbau und Vermarktung: So wird man als selbstbsetimmter Publizist (hoffentlich) erfolgreich

Was uns persönlich besonders wichtig ist: Die Vernetzung der Teilnehmer untereinander und das Verständnis dafür, wie wichtig das für erfolgreiches Bloggen ist. Deshalb gibt es für alle Teilnehmer eine geschlossene Facebook-Gruppe.

Kann man mit Bloggen so viel Geld verdienen, dass man davon leben kann?

Lousy Pennies Seminar

Lousy Pennies Seminar

Jeder, der sagt, man wird durch Bloggen ganz schnell reich und berühmt, lügt. Es ist ein sehr langer und mühsamer Prozess, der nach Monaten und Jahren dazu führen kann, dass man nennenswerte Einnahmen generiert. Ich würde aber jedem Blogger raten, von Anfang an einen genauen Plan zu haben, wie man Geld verdienen möchte, und ganz viel zu experimentieren – denn bis heute machen sich die wenigsten Leute Gedanken darüber. Ein Business-Plan gehört also dazu, wenn man Geld verdienen möchte. Sowas haben wir alle aber in der klassischen Journalistenausbildung nicht gelernt. Die positive Nachricht ist: Ich kenne in der Tat immer mehr Menschen, die durch das Bloggen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Einer ist zum Beispiel beim Co-Blogger Stephan Goldmann, der neben LousyPennies.de auch noch die Seiten MyHighlands.de und Triathlontipps.de betreibt und davon inzwischen gut leben kann. Auch LousyPennies wirft durch einen Mix aus Sponsoring und Seminaren einen netten monatlichen Betrag ab.

Über welche Charaktereigenschaften sollte man verfügen, wenn man zu bloggen beginnt?

Leidenschaft. Kreativität. Unternehmergeist. Spaß am Schreiben. Lust auf Social Media. Journalistisches Gespür. Idealerweise (aber nicht unbedingt) auch ein gutes technisches Verständnis und die Bereitschaft sich auf Themen wie Suchmaschinenoptimierung und Vermarktung einzulassen.

Ist Bloggen anstrengend?

Ja und Nein. Ja: Neben einem ausgefüllten Berufs- und Privatleben auch noch zu bloggen, ist anstrengend. Nein: Für mich ist das selbstbestimmte Publizieren meiner Herzensthemen wie Wellness.

Wie oft bloggt Karsten Lohmeyer denn selbst noch?

Viel zu selten. Leider. Glücklicherweise sind wir aber bei LousyPennies.de zu zweit und beschränkt sich unsere „Marke“ nicht mehr allein auf das Blog, sondern eben auch auf die sozialen Medien, wo man mit seiner Meinung und Haltung auch präsent sein kann. Ich habe aber tausend Themen im Kopf, die ich bald schreiben und veröffentlichen möchte.

Wo informiert man sich am besten, um informiert zu bleiben?

Auf Twitter und Facebook. Hier finden mich die Texte, die ich lesen möchte, schon automatisch. Wenn es ein guter Inhalt ist, ist es mir egal, wohin mich der Klick auf den Link führt. Es kann also ein Blog sein, ein etabliertes Medium oder ein Instant Article. Voraussetzung ist allerdings, dass man den richtigen Menschen, also den Influencern und Meinungsführern seiner „Blase“ folgt.

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Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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