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Kfz.net: 10 Fragen an Axel Metayer

Axel Metayer ist ein digitaler Nomade: Wann immer er WLAN hat, im Coffee-Shop oder sonstwo, kann er sein Geschäft auf seiner Auto-Website Kfz.net betreiben. Text, Fotos, Videos: Alles an Content ist schnell beschafft, produziert und hochgeladen – optimiert für Suchmaschinen. Auf einigen Themenfeldern sticht er klassische Medien gekonnt aus und gewinnt mehr Traffic als Medienhäuser. Sein Einkommen: zeitweise über Redakteursgehälter. 10 Fragen an Axel Metayer.

In Spitzenjahren brachte Kfz.net 90.000 Euro Jahresumsatz ein – ist das heute noch möglich?

Das ist absolut noch möglich. Es ist nur ein wenig komplizierter und Aufwendiger geworden. Systeme Und Blogs sind vernetzter. Google und Facebook verstehen Nutzerverhalten besser und belohnen das auch durch mehr Reichweite. Einmal was schreiben und viele Besucher erhalten, ist komplizierter geworden. Junge Leute haben mehr Ausdauer und Medienkompetenz als erfahrene Journalisten. Außerdem haben sie ein besseres Gespür für das Erreichen von Zielgruppen auf unterschiedlichen Plattformen wie Youtube, Facebook, Instagram, Vine und anderen.

Was waren die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Axel Metayer von Kfz.net (3)

Axel Metayer von Kfz.net

Erstens: Der Wille zur Arbeit und zum konstanten Lernen. Ich war pausenlos unterwegs, habe mich mit Hunderten von Menschen unterhalten und inspirieren lassen, ich habe sie nach Verbesserungen gefragt. Nachts habe ich im Lauf von drei Jahren Tausende von Seiten erstellt. Zweitens: Das Wissen wie Suchmaschinenoptimierung (SEO) funktioniert und wie man Nischen besetzt. Drittens: Viel ausprobieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Während ein Journalist noch überlegt, ob es sich lohnt, sich auf dieser oder jener Onlineplattform zu registrieren, ob man ein Bild von sich online stellt und wie viel Arbeit es ist, dafür dann Inhalte zu produzieren, hat der Onliner von Heute schon Reichweite aufgebaut, sich mit Leuten vernetzt und analysiert, ob er die Zielgruppe seiner Nische auf der Plattform erreicht.

Nach welchen Kriterien fiel seinerzeit die Themenauswahl auf Autos?

Ich habe unterschiedliche Seiten ausprobiert, und diese hat am schnellsten Reichweite aufgebaut. Außerdem ist es ein riesiger Markt mit hohen Werbepreisen. Dazu kam noch, dass ich im Rahmen der ersten Internetwelle 1998 eine Ausbildung in einer Berliner Agentur gemacht habe, wo ich an einem Autoportal mitgearbeitet habe.

Was konnte die Website liefern, was Medienmarken wie „Auto-Bild“ oder „Auto, Motor, Sport“ nicht bieten konnten?

Die Schnelligkeit, wie Sachen umgesetzt werden. Da ich immer alleine entschiedenen habe, hatte ich keine Dienstwege. Während in einer Redaktion noch über eine Idee gesprochen wird, bin ich schon an der Umsetzung oder lasse diese von Externen produzieren.

Hätte es ein anderes Thema sein können?

Es gibt Tage, da frage ich mich, warum ich Autos gewählt habe. Gerade wenn ich mir viel Mühe für einen Artikel gebe – und alles, was Nutzer sehen wollen, Tuning Girls sind…

Konkret: Wie finde ich das passende Thema?

Einfach ausprobieren! Man hat eh erst nach 6 bis 12 Monaten die Erfahrung, um ein Website-Projekt zu stemmen, das ein Potential hat, dich zu ernähren. Bei der Wahl einer Nische oder eines Themas sollten dir auf Anhieb 50 Themen einfallen, worüber du schreiben könntest. Wenn dir in 15 Minuten keine einfallen, dann ist es wahrscheinlich nicht das richtige. Hilfreich ist es, wenn das Thema einen gewissen monetären Wert hat bzw. die Produkte teuer sind. Jemand, der über Garten und Freizeit schreibt, erzielt wahrscheinlich geringere Werbeerlöse als jemand, der über Luxus oder Unterhaltungselektronik schreibt.

Was können Journalisten von Bloggern lernen?

Geschwindigkeit, Geschwindigkeit, Geschwindigkeit! Und Ideen haben, die auf den ersten Blick lächerlich erscheinen. Ich wollte was mit Videos und Autos machen, hatte dafür aber nicht genug Budget. Also habe ich Lego-Filme gemacht. Ein Video hat über eine halbe Million Zuschauer erreicht.

Sind Journalisten fürs Bloggen geeignet?

Wenn sie so schreiben wie für eine gedruckte Zeitung – dann nicht. Das Leseverhalten auf Facebook und am Bildschirm ist ein anderes. Oft sind die Texte zu lang und sollten fürs Querlesen aufbereitet werden, zum Beispiel kurze Sätze und Absätze. Auf der anderen Seite führt das zu einer Verarmung der Schreibweise…

Umgekehrt gefragt: Über welche Charaktereigenschaften sollte ein Journalist verfügen, um mit Bloggen Geld zu verdienen?

Die Lust und Neugier, viel auszuprobieren. Er sollte keine Angst haben, seine Texte zu bewerben, und ein Gespür für die Zielgruppe haben.

Wird Kfz.net weiter existieren?

Aber natürlich, Inhalte werden gerade fleissig aufbereitet und demnächst wird es wieder ein paar Lustige Aktionen geben.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen

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