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KeinStartup: 10 Fragen an Julian Heck

Es ist der Traum jedes Freelancers: In Ruhe in einem Café am Laptop sitzen und bei einem Tall Latte online die Geschäfte lenken. „Digitale Nomaden“ oder „Laptop Business“ nennt man diese Lebenseinstellung. Alles eine Frage der Organisation, wie Tim Ferriss in seinem provokanten wie berühmten Buch „Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ meint? Oder alles ein Hirngespinst? Für Julian Heck liegt die Antwort nahe: Mit der Gründung von „KeinStartup.de“ will er den Beweis antreten, dass die Karriere als „Solopreneur“, wie er Einzelkämpfer am Laptop nennt, erfolgreich verlaufen kann – wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Jeden Donnerstag verschickt er gebündelt Anregungen, Beispiele und Tipps in einem Newsletter. Die Nachfrage ist groß. Hier sind die 10 Fragen an Julian Heck.

Wie kann diese Initiative auch Journalisten helfen?

Julian Heck mit Google Glass

Julian Heck mit Google Glass

keinStartup.de richtet sich inhaltlich natürlich auch an Journalisten. Journalisten, die als Freelancer unterwegs sind, sollten sich viel mehr mit Themen wie Positionierung, Social Media, Marketing etc. beschäftigen – und vielleicht auch mit der Existenzgründung. Zu all diesen Aspekten bekommen sie bei mir wertvolle Tipps und Tricks und vor allem jede Menge Inspiration, damit sie vielleicht sogar ihr eigenes Projekt auf den Weg bringen können.

Müssen Journalisten umdenken?

Ja! Unbedingt! Ich begeistere mich schon lange für den Ansatz des Unternehmerjournalismus bzw. Entrepreneurial Journalism. Immer mehr Journalisten müssen sich als Freelancer durchkämpfen. Wer kann es sich da noch leisten, sich beispielsweise nicht mit Personal Branding zu beschäftigen? Ich erschrecke jedes Mal, wenn gleichaltrige oder jüngere Kollegen – ich bin 24 – sagen, sie wüssten nicht, wofür Twitter gut sei oder ein Blog sei doch bloß unnötige Arbeit. Das für mich schlimmste Argument: Ich will Journalismus machen und nicht twittern, bloggen oder mich um einen professionellen Webauftritt kümmern. Ich kontere dann immer: Ein Bäckermeister kann auch nicht nur Brötchen backen, weil es ihm Spaß macht. Er muss sich ebenfalls mit Buchhaltung, Marketing und so weiter beschäftigen. So ist das nun mal als Unternehmer. Und ja, ob man will oder nicht: Auch Journalisten sind Unternehmer.

Der Donnerstag-Newsletter gibt wertvolle Hinweise, sein Leben als Einzelkämpfer gewinnbringend zu gestalten. Täuscht der Eindruck?

Nein, das täuscht überhaupt nicht. Aber ich will zwei Sachen erläutern: Zm einen meine ich mit Einzelkämpfer bloß, dass man keine Geschäftspartner oder Mitarbeiter hat. Als Solopreneur oder Freelancer kann ich trotzdem andere Freelancer für etwas beauftragen. Outsourcing wird auch für mich persönlich immer wichtiger. Als Einzelkämpfer spielt außerdem die Vernetzung eine große Rolle. Wer keine Bürokollegen hat, mit denen er sich austauschen kann, muss eben coworken oder sich anderweitig Gelegenheiten suchen, um sich austauschen zu können. Zum anderen ist „gewinnbringend“ nicht nur auf den monetären Gewinn bezogen, sondern vor allem auf den Gewinn von Freiheit. Freiheit ist ein zentrales Element auf meinem Blog.

Welche drei Charaktereigenschaften braucht ein Solopreneur?

Homepage KeinStartup.de

Homepage KeinStartup.de

Ein Solopreneur braucht mehr sehr viel mehr als nur drei Eigenschaften, aber wenn ich mich auf drei für mich wichtige Eigenschaften beschränken soll, dann wären das Selbstdisziplin, Neugier und Begeisterungsfähigkeit.

Kann man das lernen? Gibt es ein Höchstalter?

Das kann man in jedem Alter lernen, na klar. Aber man muss es wirklich wollen und wissen, warum man das tut. Wer als Solopreneur durchstartet, der macht es nicht aus reinen unternehmerischen Interessen. Das gilt übrigens nicht nur für Solopreneure, sondern bestenfalls für alle Gründer. Es klingt nach einer blöden Phrase, aber es hilft wirklich: Finde deine Leidenschaft. Wer sie gefunden hat, weiß auch Wege zu finden, wie man mit und von ihnen leben kann.

Der Titel „keinStartUp“ klingt provokant. Warum die Verneinung?

Ich wollte gerade sagen, weil die wichtigen Domains noch frei waren – aber selbst das war nicht der Fall. Ich musste nachhelfen. Der Begriff Startup ist jedermann ein Begriff, Solopreneur hingegen nicht. Solo-Unternehmer wiederum klingt so spannend wie eine trockene Scheibe Vollkornbrot. keinStartup ist also – trotz der Verneinung – ein guter Titel, um zu verdeutlichen: Es hat wohl im weitesten Sinne etwas mit der Startup-Szene zu tun, aber Startups sind damit nicht gemeint. Der Name macht neugierig, war meine Hoffnung – und der Plan geht bisher ganz gut auf.

Woher kam die Idee?

Es ist nicht das erste Projekt, das ich starte. Aber es ist das erste Projekt, das kein Hobby ist, sondern das ich so richtig unternehmerisch angehe. Ich bin durch die Startup-Szene auch auf digitale Nomaden aufmerksam geworden. Viele von ihnen sind Solopreneure oder Freelancer. Ein Buch des Unternehmer-Ehepaars Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg über Solopreneurship hat mich dann endgültig für das Thema begeistert. Dann war mir klar: Ich will nicht nur selbst ein erfolgreicher Solopreneur werden, ich möchte die Szene bzw. die Bewegung auch begleiten. keinStartup.de war geboren.

Sollen Journalisten zusammenarbeiten oder alleine bloggen?

Da mag ich keine Empfehlung abgeben. Für einen ist es unmöglich, alleine vor sich her zu bloggen, für andere ist das der effizienteste Weg, etwas aufzubauen. Das muss jeder für sich herausfinden. Am besten funktioniert das, indem man beides mal ausprobiert. Was auf jeden Fall unerlässlich ist für alle, die alleine bloggen: Sucht euch Gleichgesinnte, tauscht es online und offline aus und unterstützt euch gegenseitig. Das macht nicht nur ungeheuerlich Spaß, sondern bringt euch und euren Blog auch weiter.

Lohnt sich Bloggen?

Vielleicht. Wer es gut macht, für den lohnt sich das auch. Allerdings würde ich jetzt nicht garantieren, dass am Ende ein großer Batzen Geld herausspringt. Das kann passieren, aber dafür muss man auch echt arbeiten – und wie gesagt: Zum Arbeiten gehört nicht nur die Content-Produktion, sondern auch das Drumherum. Aber Bloggen kann sich auch indirekt lohnen, indem dadurch Aufträge generiert werden, Menschen auf den Blogger aufmerksam werden und und und. Ich kann niemandem davon abraten.

Welche Websites geben die besten Hinweise zur eigenen Gestaltung des Online-Business?

Nun ja, eigentlich reicht es aus, sich den keinStartup.de-Newsletter zu abonnieren, denn dort bekommt ihr die besten Inhalte zu diesem Thema kurz und knackig zusammengefasst und verlinkt 😉

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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