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Instagram nutzen – für Recherche und Imagepflege

Wenn Heiko Hebig einmal in Fahrt ist, kennt er kein Halten mehr. Dann rattert er als Repräsentant die Zahlen zu Instagram herunter, als ob er nichts anderes täte. Über neun Millionen Nutzer in Deutschland. 64 Prozent folgen Freunde und Familie, 50 Prozent vertiefen ihre Interessen — und 26 Prozent wollen sehen, was die Prominenz so auf Instagram treibt. Und hier liegt der Schatz von Instagram.

Für Journalisten ist Instagram eine Goldgrube. Wo Pressestellen und andere Abwehrriegel den Zugang zu prominenten Schauspielern, Künstlern und Sportstars versperren, liefern eben diese Celebrities den Content frei Haus. Nicht journalistisch aufbereitet, natürlich. Und mit einer klaren Botschaft, die sie in der Öffentlichkeit sehen wollen. Aber das will ja jede Pressemitteilung. Somit ist Instagram perfekt zum Recherchieren.

Und spektakuläre Fotos und Videos, die dort gezeigt werden (nicht das Beispiel mit mir, das jetzt folgt…), sind spielend einfach im Blog einzubauen und veranschaulichen das beschriebene Thema bestens.

Eigenes Beispiel für Instagram-Einbindung in WordPress

So nutzt Nico Rosberg seine Social Media Kanäle

Georg Nolte mit Nico Rosberg

Georg Nolte über Nico Rosberg

Denn neu an diesem Sozialen Medienkanal ist: Man sieht nicht selten, was hinter den Kulissen passiert, und kann die Inhalte für sein eigenes Werk nutzen (unter Beachtung der Urheberrechte). Bei einem Vortrag auf der Spobis in Düsseldorf erzählte der Hamburger PR-Berater Georg Nolte, früher selbst Journalist, das Beispiel von seinem wichtigsten Klienten Nico Rosberg.

Dem deutschen Formel-1-Weltmeister ging es zu Saisonbeginn weniger um die Reichweite bei seinen Auftritten im Sozialen Netzwerk. Er wollte Imagepflege betreiben. Sein Kontrahent Lewis Hamilton präsentierte sich ständig als Einzelkämpfer, als Held. Nico Rosberg dagegen sah man als Teamplayer: Wenn er Triumphe feierte, war er immer von Mechanikern umgeben.

Imagepflege mithilfe von Instagram

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Ein von NICO ROSBERG (@nicorosberg) gepostetes Foto am

Wem gönnt man den Titel mehr? Am Saisonende zahlte sich die Strategie aus. Noch bevor die Diskussion beginnen konnte, ob ein Rennfahrer, der weniger Rennen gewonnen hat als sein Rivale, ein würdiger Weltmeister ist, hatte Georg Nolte persönliche Bilder und Videos gepostet. Der Weltmeister als Teamplayer und Familienmensch: Den mag man. Und gönnt ihm alles.

Instagram hat 180 Millionen Sportfans weltweit

Instagram Heiko Hebig

Heiko Hebig von Instagram nennt Zahlen

Allein 180 Millionen Sportfans zählt Instagram weltweit. Und das hat seinen Grund: In den Top Ten in Deutschland sind sieben Sportstars. Rund um die Uhr kann man sehen, was die Herren tun. In der Kabine. Im Urlaub. Beim Training. Zu Hause. Und vor allem: Was sie tragen. Manche haben es zu einer riesigen Fangemeinde gebracht. Hier ist die Top Ten (in Klammer Follower in Millionen / Stand Anfang 2017).

  1. Toni Kroos (10,8)
  2. Mesut Özil (10,6)
  3. Lisa und Lena (8,9)
  4. Mario Götze (7,9)
  5. Bastian Schweinsteiger (7,7)
  6. Manuel Neuer (5,7)
  7. Bianca Aka Bibi (4,8)
  8. Marco Reus (4,7)
  9. Dagi Bee (4,4)
  10. Jerome Boateng (4,0)

Weltweit schauen 103 Millionen Fans, was auf Instagram zum Thema Fußball gepostet wird. zum Vergleich: Nur 34 Millionen sind an Basketball interessiert — und die zweitplatzierte Sportart. Ausgereizt ist der Markt in Deutschland noch lange nicht. USA, Brasilien und Großbritannien sowie Indien und Indonesien sind bei Instagram weiter. Heißt für Journalisten: ein unbestelltes Feld.

Bezeichnend ist, was Lisa und Lena leisten: Die zwei Teenager sind damit gestartet, dass sie zu cooler Musik ihre Lippen bewegen. Mehr nicht. Sie tun das aber so cool und offenbar so auffordernd, dass jeder Post wie eine Offenbarung daherkommt. Binnen Minuten Tausende von Likes und Kommentare en masse. Zwei 14-Jährige räumen den Markt der Sportstars auf: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie auch Özil und Kroos einholen. Auf ihrer Bio steht, wie man sie kontaktiert, um sie für Postings buchen. Für die Werbeindustrie ein perfektes Umfeld: Adblocker können die Werbung nicht verhindern. So funktioniert Influencer Marketing.

Geldverdienen, ja – aber Journalismus ist das nicht

Online Marketing Rockstars Report Influencer Marketing

OMR Report Influencer Marketing

Sowohl was das Anschauen der Star-Posts betrifft als auch das eigene Veröffentlichen: Wie bei Snapchat liegt noch Potenzial brach, wie Richard Gutjahr schon dargelegt hat. Influencer Marketing nennt sich das Vorgehen: Wenn jemand mit seinen Posting einen Mehrwert stiftet und darum an Gewicht gewinnt, möchte die werbetreibende Industrie das Umfeld nutzen. Ist das Journalismus? Nein. Nur eine Geldquelle.

Bis zu 15.000 Euro bekommen bekannte Influencer, wenn sie ein Produkt in ihr Erscheinungsbild einbeziehen. Die Fußballspieler haben das System begriffen: Wie selbstverständlich werden die Produkte ihrer Sponsoren vertaggt und dadurch mit ihnen in Verbindung gebracht. Bei Nico Rosberg waren das Bose-Kopfhörer. Bei Fußballspieler meistens Schuhhersteller. Den Nutzen von Instagram beschreibt Heiko Hebig ganz konkret in bestem Marketing-Deutsch:

  • Tune-In — den Traffic auf seine Website ziehen oder Leads generieren.
  • App Installs — auf Smartphone kommen, indem Apps installiert werden.
  • Sponsoren-Packages — Produkte platzieren, ohne dass es stört.

Die Online Markting Rockstars in Hamburg nennen in ihrem aktuellen Report zum Influencer Marketing konkrete Zahlen aus den USA: Instagramern mit 100.000 bis 500.000 Followern werden demnach US $ 5000 pro Post bezahlt, welchen mit über einer Million sogar US $ 50.000. Wie gesagt: Es geht hier um ein Graubereich, wo Content und Werbung miteinander verwachsen. Für Journalisten ein No-Go. Aber gegen Imagepflege via Instagram ist nichts zu sagen, um neue Auftraggeber oder Leser zu finden, wie es der Journalist Raphael Honigstein kürzlich treffen gesagt hat: „Journalisten wollen gelesen werden.“

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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