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Hamburger Tagesjournal: 10 Fragen an Mathias Adler

Als die Wochenzeitung „Die Zeit“ kürzlich den Start eines Hamburg-Newsletters mit Namen „Elbvertiefung“ ankündigte, sah der Branchendienst Meedia eine digitale Konkurrenz für die Mopo und das Abendblatt in Hamburg. Was übersehen wird: Newsletter sind die günstige Form, Leser mit Nachrichten zu versorgen, wie sie es gewohnt sind: als Zeitung, die online vertrieben wird. Und das bedeutet: Eine Online-Zeitung wächst vielleicht schneller mit der Kraft einer Zeitungsmarke – abhängig von einer traditionellen Marke ist der Erfolg aber nicht. Besser noch: Journalisten können, wenn sie gute Inhalte liefern, eine eigene Online-Zeitung starten. Mathias Adler, einst Chef von lokalen TV-Sendern wie Hamburg1, hat dies genau getan: seine Online-Zeitung „Hamburger Tagesjournal“ in Umlauf gebracht und 7000 Abonnenten gewonnen. Ein Vorbild für Journalisten, um im Internet Geld zu verdienen? 10 Fragen an Mathias Adler.

Hamburger Tagesjournal

Hamburger Tagesjournal

Das Hamburger Tagesjournal ist ein neues Angebot in der Hansestadt. Eine Konkurrenz für das Hamburger Abendblatt und die Hamburger Morgenpost?

Ja und Nein. Ja, wenn es darum geht, sich morgens schnell einen Überblick über die relevanten Themen der Stadt zu verschaffen. Nein, weil die Zeitungen natürlich ganz anders in die inhaltliche Tiefe gehen können. Deswegen verweisen wir auf deren Stücke, damit der interessierte Leser sich vertiefend informieren kann.

Die Themen werden täglich per Newsletter verschickt. Wie groß ist die Redaktion?

Insgesamt sind wir sechs Redakteure, wobei wir noch weitere Newsletter produzieren. Am Hamburger Tagesjournal arbeiten in der Regel zwei Redakteure.

Kann man das mit dem Journalismus in den traditionellen Medien vergleichen?

Matthias Adler

Mathias Adler

Durchaus. Wir nutzen natürlich auch Originalquellen, nehmen Pressetermine wahr und recherchieren eigene Themen. Zudem sind wir im Videobereich auf Facebook sehr aktiv. Dennoch wollen wir immer auf möglichst viele Medien-Quellen hinweisen.

Wie wurden die jetzt 7.000 Abonnenten auf den Newsletter aufmerksam?

Wir haben Multiplikatoren aus Politik, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit über unser Angebot informiert. Wir vernetzen uns weiter in der Stadt und werden gerne weiterempfohlen.

Warum kostet der Newsletter nichts?

Das Angebot muss sich erstmal etablieren. Wir besetzen eine Nische, die bisher niemand wahrgenommen hat. Vielleicht stellen wir das Modell in Zukunft um.

Und was muss man können und mitbringen, um den täglichen Lesehunger qualitativ zu stillen?

Matthias Adler bei der Arbeit

Mathias Adler bei der Arbeit

Neugier, Enthusiasmus, ein Gefühl für relevante Themen, eine gute Schreibe und die Fähigkeit, Sachverhalte in 600 Zeichen auf den Punkt zu bringen.

Wie schnell kann man mit einem Newsletter wie dem Hamburger Tagesjournal Geld verdienen?

Das hängt von der Reichweite und einer interessanten Zielgruppe ab. Wir erreichen bereits viele Multiplikatoren in Hamburg und können so attraktive TKPs realisieren. Aber wir sind noch am Anfang.

Wenn wir die Erfolgsformel richtig verstanden, dann geht es zunächst um Reichweite über Relevanz, bevor der große Umsatz kommt. Ist die Wette riskant?

Das ist der normale Weg für ein neues Medium. Ohne Risiko geht es nicht.

Hat Lokaljournalismus eine Zukunft?

Absolut. Wir kriegen ein sehr positives Feedback auf unser Format von unseren Lesern. Das Interesse ist nicht das Problem; die Herausforderung ist die Monetarisierung.

Wenn das Hamburger Tagesjournal in Hamburg funktioniert: Kann es dann auch Tagesjournale in anderen Städten geben?

Natürlich.

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Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen

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