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Getty Images: Acht Kriterien für großartige Fotos

Getty Images ist überall in der Medienindustrie allgegenwärtig. Unabhängig davon, ob es der Tageszeitung in der digitalen Welt gut geht oder nicht, haben Print und Online eines gemeinsam: Bei der Fotoauswahl brauchen sie großartige Fotos, um die Aufmerksamkeit von Lesern zu bekommen. Aber: Was ist ein großartiges Foto?

Wenn man durch die Tageszeitungen blättert oder über Websites surft, ist eines offensichtlich: Die Fotoauswahl ist mitunter lieblos. Dass die Produktion billig sein sollte, ist den Fotos nicht selten anzusehen.

Vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle über eine Checkliste geschrieben, wie eine Hamburger Zeitung versucht, die Textqualität zu messen. Jeder einzelne Text der Zeitung soll mindestens sechs von zwölf Kriterien erfüllen, um „fit for print“ zu sein.

Getty Images nennt „DNA für großartige Fotografie“

Getty Images Homepage

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Könnte ein solches Bewertungssystem auch für Fotos funktionieren? Ken Mainardis, als Direktor bei der weltgrößten Fotoagentur Getty Images zuständig für Sport und Entertainment, zerstückelte kürzlich die „DNA der großartigen Fotografie“ in acht Einzelteile. Demnach gibt es acht Kriterien, die ein gutes Foto bestenfalls erfüllen sollte. Bevor wir auf diese Kriterien eingehen, möchte ich kurz erklären, warum diese Diskussion um Qualitätskriterien auch für jeden einzelnen Journalisten prägend ist und Auswirkungen auf seine tägliche Arbeit haben sollte.

Der Erfolg von Journalismus im Allgemeinen und von einzelnen Journalisten im Besonderen hängt heutzutage maßgeblich von Qualität ab. Mit den Fünf-Euro-Texten großer Schreiberschwaden wie Content.de oder Textbroker können Journalisten, die eine gewisse Einkommenshöhe brauchen, nicht leben. Der Durchschnittsverdienst von Freien Journalisten is eh niedrig.

Qualität ist das wichtigste Merkmal bei Fotos

Getty Images Ken Mainardis

Ken Mainardis von Getty Images

Qualität ist das wichtigste Merkmal, mit dem Journalisten bei ihren Auftraggebern in den Redaktionen und Kundenzeitschriften punkten können. Aber wer entscheidet, was Qualität ist. Oftmals hängt die Beurteilung von Qualität an subjektiven Maßstäben. Mag der Ressortleiter den Autoren? Trübte Stress die Urteilskraft in der Redaktion? War die Erwartungshaltung am Text eindeutig formuliert? Entscheidet am Ende immer der Chefredakteur und nicht der zuständige Redakteur? Die oben genannte Checkliste wurde von der Redaktion gemeinsam erarbeitet und soll Objektivität in die Redaktionsarbeit bringen. Mit der Freiheit, welche sechs aus zwölf Kriterien den Text zum Qualitätstext machen, ist Kreativität weiterhin möglich. Jeder Kollege kann den Text anhand der Checkliste beurteilen. Und notfalls gegen den Chefredakteur argumentieren, wenn ein Text abgelehnt wird.

Der Kriterienkalalog bei Getty Images

Diesen Kriterienkatalog lieferte auch Ken Mainardis für Fotos. Fairerweise muss man sagen, dass er noch ein neuntes Kriterium nannte: Interaktion. Weil die aber kaum in Print gemessen werden kann, sind hier die acht anderen Kriterien für großartige Bilder:

  1. Moments — Atmosphäre, Situation, Beziehung
  2. Geschwindigkeit — Dokumentation, was passiert ist
  3. Wow-Faktor — Etwas, das man nicht auf dem TV-Bildschirm sieht
  4. Ort und Umgebung — wunderschön oder speziell
  5. Erzählerisch — das Foto erzählt aus sich heraus eine Geschichte
  6. Exklusivität — einzigartiger und besonderer Zugang zum Bildobjekt
  7. Regionale Beziehung — das Foto betrifft das Alltagsleben
  8. Hinter den Kulissen — den Hintergrund sehen und verstehen

Nehmen wir mal an, ein Foto würde fünf der acht Kriterien erfüllt: Um wie viel wahrscheinlicher ist es dann, dass es eine Reaktion beim Leser auslöst. In der Zeitung mehr Zeit beim Betrachten. Online mehr Bereitschaft zum Like. Zwangsläufig werden Redakteure, die ja meistens vom Schreiben kommen, zu höherem Aufwand bei der Fotoauswahl gezwungen. Ausdrücklich erwähne ich es: Natürlich kenne ich die Zwänge bei den Fotohonoraren, dass jede Publikation sparen muss. Wenn es um Qualität geht, darf man den Sparzwang aber mal außer acht lassen und vom Idealfall sprechen. Weglassen kann man das Foto immer noch, wenn das Budget fehlt.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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