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Korrespondent in New York: 10 Fragen an Michael Remke

Vor allem den Lesern von Welt/N24 ist Michael Remke ein Begriff: Fast täglich berichtet der Korrespondent aus New York, was die Öffentlichkeit in den USA unterhält. Morde, Stars, Kuriositäten – an Themen mangelt es dem Freien Journalisten selten. Außerdem lernen wir auf seinem Blog, was der US-Präsident Donald Trump so täglich im Schilde führt. Freier Korrespondent in New York: 10 Fragen an Michael Remke.

Findet man als Freier Journalist in New York sein Auskommen?

Sagen wir einmal so: Es ist nicht leicht, aber machbar. Es gibt viele Freie gerade in New York, die alle von dem immer kleiner werdenden Kuchen etwas abhaben wollen. Und die Budgets der Tageszeitungen und Magazinen in Deutschland sind leider nicht mehr so gut gefüllt, wie sie einmal waren.

Wie groß ist in Deutschland der Bedarf an Texten aus den USA?

Die Nachfrage ist groß, gerade jetzt nach der Wahl von Donald Trump. Was fehlt, ist das Geld vor allem für größere Geschichten, bei denen man reisen und mehrere Tage recherchieren muss. Als Freier ist das immer eine Abwägung. Von Ruhm allein kann man keine Rechnungen bezahlen, und manchmal sind kleinere Geschichte, die man von Zuhause aus und am Telefon machen kann, rein wirtschaftlich sinnvoller. Ich würde gerne größere Geschichten, die ich im Kopf habe, schreiben. Bisher habe ich aber noch keinen Weg aus den finanziellen Notwendigkeiten gefunden.

Welche Schwerpunkte kommen am besten an?

Korrespondent Michael Remke

Korrespondent Michael Remke im Presseflugzeug des Präsidenten

Im Moment ist Donald Trump natürlich der große Verkäufer. Er bietet jeden Tag gleich Stoff für mehrere Geschichten. Allerdings profitieren davon eher die festen Korrespondenten, die täglich auf Aussagen und Tweets des neuen Präsidenten reagieren müssen. Neben Trump läuft jede menschliche Geschichte vor allem online gut und erzielt die meisten Klicks. Was immer geht, sind Storys, die überraschen und die man als Leser nicht unbedingt erwartet.

Wie begegnen offizielle Stellen den Anfragen eines deutschen Journalisten?

Das ist abhängig davon, wen man anrufen und sprechen will.  Menschen, die ihre Marke oder etwas anderes verkaufen wollen, sind leichter zu bekommen als zum Beispiel Politiker, die in den USA wiedergewählt werden müssen. Die interessieren sich zwar für Deutschland, lehnen aber Interview-Anfragen meist dankend ab. Auch Showstars bekommt man nur bei Roundtable-Gesprächen. Oder wenn sie expliziet den deutschen Markt brauchen, um einen neuen Film, eine CD oder eine Show zu verkaufen.

Und die US-Kollegen?

Ich habe immer gute Erfahrungen mit US-Kollegen gemacht. Sie sind hilfsbereit und kollegial auch gegenüber Ausländern. Auch wenn es Konkurrenz gibt, habe ich den Eindruck, dass die US-Kollegen lieber an einer guten Geschichte interessiert sind als daran, den Kollegen zu übertreffen. Das habe ich in deutschen Redaktionen auch anders erlebt. Gerade auf meinen Reisen mit Ex-Präsident Barack Obama haben mir die US-Kollegen immer geholfen und mich als Mitglied des White House Press Corp voll akzeptiert. Das galt selbst für die Star-Korrepondenten der TV-Sender CNN, NBC oder ABC.

Bekommt man die Arbeitserlaubnis ohne weiteres?

Nein, leicht ist das nicht, und es kann lange dauern. Am besten man lässt sich von einem Medienobjekt “entsenden” wie das so schön heißt. Ein Journalisten-Visum bekommt man als Deutscher, so weit ich weiß, immer noch leicht. Die Green Card ist dann noch einmal eine andere Sache. Wenn man keine Amerikanerin oder einen Amerikaner heiraten will, muss die von einem Arbeitsgeber gesponsert werden und kann bis zur Ausstellung oft zwei Jahre und mehr dauern.

Wie groß ist die Konkurrenz mit deutschsprachigen Freien Journalisten in den USA?

Ich kann die nicht empfinden. Die meisten sind Einzelkämpfer und versuchen ihre Geschichten zu verkaufen. Selten, dass einmal ein anderer die gleiche Idee hat und einem zuvor kommt.

Was sind die besten Standorte für einen Freien Journalisten aus Deutschland?

Das kommt darauf an, ob man sich auf ein Thema spezialisiert hat. Wer Wirtschaft macht, ist sicherlich in New York mit der Wall Street am besten aufgehoben. In Washington regiert die Politik und in Los Angeles Hollywood. Allrounder werden vermutlich New York den anderen Städten vorziehen. Wer völlig losgelöst vom aktuellen Tagesgeschehen und den Redaktionszeiten in Deutschland arbeitet, kann das natürlich von jedem Ort aus machen.  Ich kenne Kollegen in Philadelphia, Seattle, New Orleans und Dallas.

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen?

Alle, die ein Journalist mitbringen muss, braucht man natürlich auch als Freier in den USA. Wer wie ich regelmäßig aktuell für eine Tageszeitung schreibt, hat das Problem mit der Zeitverschiebung und muss morgens um 7.00 Uhr hellwach sein und unter dem Druck des Redaktionsschlusses schnell schreiben können.

Die Website von Korrespondent Michael Remke

Michael Remke Blog

Michael Remke Blog

Ist die eigene Website eine Art Visitenkarte oder eine Einnahmequelle?

Das hängt davon ab, welche Webseite man betreibt. Mode- oder Reisetipps verkaufen sich besser als Wirtschaft und Politik. Ich habe auf meiner Webseite Michaelremke.com über die Politik von Präsident Obama gebloggt. Nach einer  längeren schöpferischen Pause berichte ich jetzt auf diesem Blog über die Regierung von Donald Trump. Daraus könnte ich aufgrund der vielen Themen einen Vollzeit-Job machen, was aber als Freier nicht finanzierbar ist. Insofern ist bei all dem Spaß, den ich an meinem Blog habe, die Webseite mehr eine Visitenkarte als eine Einnahmequelle.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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