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Fit für Journalismus: 10 Fragen an die zwei Macher

Unter Journalisten ist ihre Website und noch mehr ihr Twitter-Account ein Geheimtipp: Bettina Blaß und Timo Stoppacher machen ihre Leser „Fit für Journalismus“ – fit für den Journalismus, der in der digitalen Welt gefordert ist. Darum heißt ihr Claim auch: „Entdecke den Journalismus neu“. Selbstmarketing, Werkzeuge, Geschäftsmodelle: Die Parallele zu den Mediapreneuren ist nicht zufällig, beide Sites verfolgen ein ähnliches Ziel. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe im Journalistenberuf, praxisnah und sofort anwendbar. 10 Fragen an die zwei Macher von „Fit Für Journalismus“.

Welche Tipps brauchen die modernen Journalisten heute?

Timo Stoppacher: Die Tipps unterscheiden sich nicht so sehr von denen, die früher gefragt waren: Für viele sind noch immer die finanziellen Aspekte sehr wichtig: Künstlersozialkasse, Steuern, Altersvorsorge. Aber auch der Umgang mit den sozialen Medien ist für viele nach wie vor schwierig. Das ist aber kein Wunder, weil sich dort ja ständig etwas verändert.

Einsteiger, Umsteiger, Aufsteiger: Was leistet das Blog in der Praxis?

Bettina Blaß: Wir teilen unsere Erfahrungen. Wir sind beide schon lange im Geschäft, haben festangestellt gearbeitet und als Freiberufler. Aber wir holen auch das Wissen anderer Kollegen dazu, wenn es um Themen geht, in denen wir wenige eigene Erfahrungen gemacht haben – wie beispielsweise zuletzt bei einem Interview zu Hate Speech und Social Media Redaktionen: Wir haben beide noch nie als Social Media Redakteur gearbeitet. Darum fragen wir bei diesen Themen Kollegen, die mehr dazu sagen können als wir.

Richten sich die Tipps an junge oder ältere Journalisten?

Timo Stoppacher: Sowohl als auch. Karrieren verlaufen heutzutage ja nicht mehr unbedingt linear. Wer zehn Jahre festangestellt war, muss vielleicht plötzlich als Selbstständiger von vorn anfangen.

Fit für Journalismus: Oft fehlen die Grundlagen

Fit Fuer Journalismus Bettina Timo

Fit für Journalismus mit Timo Stoppacher und Bettina Blaß         Foto: Frank Sonnenberg

Welche Motivation steckt hinter Fit Für Journalismus?

Bettina Blaß: Wir haben irgendwann festgestellt, dass es immer mehr Menschen gibt, die als Freiberufler arbeiten müssen, obwohl sie das vielleicht gar nicht wollen. Oft fehlt jegliches Grundlagenwissen für die Selbstvermarktung und die anderen vorhandenen Angebote im Netz für Journalisten haben das unserer Meinung nach nicht aufgefangen. Hinzu kommt unsere persönliche Motivation, dass wir Erfahrungsaustausch sehr wichtig finden. Das machen auch heute immer noch zu wenige Kolleginnen und Kollegen, weshalb wir immer wieder Netzwerken predigen.

Mit wie vielen Leuten wird der Service betrieben?

Timo Stoppacher: Zwei. Und manchmal mit inhaltlicher Unterstützung von Kollegen.

Kann man mit den Tipps Geld verdienen?

Bettina Blaß: Indirekt. Es passiert schon, dass wir aufgrund unserer Texte für Seminare angefragt werden. Ab und zu gibt es eine Anzeige im Blog, aber die Einnahmen decken die Kosten, Geld verdienen wir nicht mit unserem Blog.

Der Newsletter hat sicher eine große Reichweite. Wie exklusiv sind die Tipps noch?

Timo Stoppacher: Der Newsletter hat gar keine große Reichweite, nur etwas mehr als 100 Leute haben den bislang abonniert. Eine viel größere Reichweite haben wir auf Twitter. Exklusivität ist auch nicht das Ziel, das wir anstreben, im Gegenteil, wir wollen ja, dass unsere Tipps möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen helfen.

Wie groß ist das Gejammere, dass der Beruf immer technischer wird?

Bettina Blaß: Wir bekommen auf Fit für Journalismus davon nichts ab. Abgesehen davon ist der Beruf ist schon immer technischer geworden. Als ich angefangen habe als Journalistin zu arbeiten, habe ich auf einer Schreibmaschine in der Redaktion der Badischen Neuesten Nachrichten geschrieben, die noch nicht ans Stromnetz angeschlossen war. Meine Fotos habe ich in der Dunkelkammer entwickelt. Später, in Mainz, als gerade PCs und Mailadressen in der Redaktion eingeführt worden war, gab es Kollegen, die sich geweigert haben, in Windows und Word zu schreiben. Sie haben die Texte ihren Sekretärinnen diktiert. Andere haben nie Mail genutzt, sondern Texte auf Diskette von Raum zu Raum transportiert. Seitdem ist viel passiert. Die Entwicklung wird einfach nur weitergehen, und es wird immer Kollegen geben, die sich nicht (mehr) anpassen, und andere, die mitgehen.

Timo Stoppacher: Das Gejammer ist in meiner Wahrnehmung eher allgemein sehr groß unter Journalisten, nicht nur wegen der Technik. Natürlich gibt es Arbeit- und Auftraggeber, die schlechte Bedingungen bieten. Aber als Selbstständiger bin ich Unternehmer und in erster Linie selbst für mich verantwortlich. Es liegt dann an mir, mein Unternehmen so auszurichten, dass die Bedingungen zu mir passen.

Über die Grenzen zwischen Geschäft und Journalismus

Verschwimmen nicht die Grenzen zwischen Journalismus und Business?

Timo Stoppacher: Die Grenzen verschwimmen, wenn ich wegen des Business die Regeln des Journalismus vernachlässige, spricht unethisch handele und zum Beispiel über ein Thema journalistisch berichte, aber gleichzeitig PR für eine Firma der Branche mache, die dann „zufällig“ in meinem Text erwähnt wird. Das geht gar nicht.

Bettina Blaß: Aber man hat schon immer Geld benötigt, um ein Medium zu publizieren, egal, ob man ein Medienunternehmen ist, das seine Mitarbeiter bezahlen möchte, oder ein einzelner Journalist, der seine Rechnungen bezahlen muss. Allerdings war die Frage nach der Refinanzierung in meiner Erinnerung sehr lange in den Redaktionen nicht so präsent. Heute ist es so, dass viele Medienhäuser einst gute Medien kaputt sparen. Wer guten Journalismus machen möchte, braucht gute Leute in ausreichender Zahl. Die gibt es nicht zum Sparpreis.

Aber früher war doch alles besser, oder etwa nicht?

Bettina Blaß: Och nö. Es war schon auch komplizierter: Wie oft hat man jemanden angerufen, bis man ihn erreicht hat, weil er keinen Anrufbeantworter hatte und es noch keine Handys gab? Später, Anfang des Jahrtausends wünschten wir uns in der Redaktion der G+J Wirtschaftspresse Online, multimediale Inhalte zu machen – aber das gaben die Internetverbindungen damals einfach noch nicht her. Heute geht das alles, und zwar sehr einfach. Das sind schon auch Chancen. Viele Medienhäuser sind aber aus meiner Sicht zu unflexibel, um auf Chancen früh genug zu reagieren. Auch darum bin ich froh, dass ich selbstständig bin, und das machen und ausprobieren kann, was mir Spaß macht.

Timo: Ich habe den Vorteil, dass ich dieses „Früher“ nicht erlebt habe, sondern schon mit E-Mail, schnellem Internet und Co. in den Beruf gestartet bin. Meiner Wahrnehmung nach hatten Medien früher einfach viel weniger Konkurrenz, sodass gewisse Pfründe gesichert waren. Darauf haben sich viele Medienunternehmen und leider auch Journalisten ausgeruht, bis die Konkurrenz auf einmal die eigene Existenz bedroht hat.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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