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Checkliste: 12 Punkte für leserorientierten Journalismus

Kann man Qualitätsjournalismus messen? Es gibt nicht wenige Freie Journalisten, die wie Redakteure unsicher sind, ob ihre Texte den Ansprüchen in der Redaktion genügen. Es geht dabei nicht um die Sprache; gutes journalistisches Handwerk ist ja nicht verhandelbar. Nein, um die Ausrichtung der Texte: Erfüllt, was ich geschrieben habe, die Erwartungen des Ressortleiters und des Chefredakteurs? Eine Checkliste soll dabei helfen, die Texte zur Zufriedenheit der Entscheidungsträger zu verfassen.

Checkliste für leserorientierten JournalismusDie Checkliste wurde von der Chefredaktion einer Lokalzeitung eingeführt, um die Redakteure und Freien Mitarbeiter nicht dem rein qualitativen Urteil, also Willkür, auszusetzen, ob ein Text etwas taugt oder nicht. Die Checkliste objektiviert die Einordnung: Die Vorgabe lautet, dass der Text mindestens sechs der zwölf Punkte erfüllen muss, um als leserorientiert angesehen zu werden. Hat er weniger als sechs Punkte, erscheint der Text nicht. Angeblich sind sogar Starschreiber verzweifelt.

Denn es ist ja so: Nicht selten schreiben Journalisten für Fachleute und vergessen, bewusst oder nicht, dass Leser keine Fachleute sind. Oder es werden Veranstaltungen besucht, die ein Minderheitenprogramm sind und die Leser kaum interessieren. Solche Berichte sollen und müssen auch weiterhin im Blatt erscheinen können. Aber nur wenn sie andere sechs Punkte erfüllen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie gelesen werden, größer. Und darum geht’s ja: Dass Journalisten gelesen werden. Und Geld verdienen.

Die Checkliste im Detail

Die Aufgabenstellung ist einfach: Eine Geschiche des Journalisten ist gut, wenn sie…

  • eine  große Zahl von Lesern betrifft.
  • wichtige neue Informationen enthält.
  • einen grundsätzlichen, übertragbaren Anspruch hat.
  • das Potenzial hat, zum Stadtgespräch zu werden.
  • dem Leser hilft, eine eigene Meinung zu bilden.
  • einen Nutzwert hat und der Leser auf dieser Grundlage Entscheidungen treffen kann.
  • der Zugang zur Geschichte ungewöhnlich oder exklusiv ist.
  • überrascht oder unterhält.
  • den Leser emotional berührt oder bewegt.
  • einen Missstand aufdeckt.
  • beiträgt, dass der Leser etwas lernt.
  • einen der Interessenpunkte berührt, die jeder kennt oder nutzt.

Natürlich geben absolute Bewertungskriterien immer Anlass zum Widerspruch. Verbesserungen oder Ergänzung sind fast immer sinnvoll. Eine Orientierung gibt die Checkliste allemal. Einfach mal die letzte Geschichte herausholen und selbstkritisch die Checkliste durchgehen: Wie viele Punkte werden erfüllt?

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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