Mediapreneure
> > Bloggen als Trend: Ist Journalismus out?

Bloggen als Trend: Ist Journalismus out?

Legt man die Suche in der Google-Suchmaschine zugrunde, verliert der Journalismus in Deutschland an Interesse: Von 100 Indexpunkten im Februar 2004 sanken die Suchanfragen für das Keyword „journalismus“ kontinuierlich auf 36 Punkte im Sommer 2015. Muss uns das beunruhigen?
Überraschend ist der Trend nicht: Wenn die wirtschaftliche Situation den Verlagen zusetzt und zu Kosteneinsparungen in den Redaktionen führt, ist der Beruf des Redakteurs weniger erstrebenswert. Wenn er weniger erstrebenswert ist: Warum sollte man sich dann im Internet danach erkundigen? Überraschend ist vielmehr: Der Begriff „blogger“ gewann überproportional an Bedeutung. Bloggen liegt im Trend: Zeitweise wurde dieses Keyword viermal so häufig nachgefragt wie „journalismus“ und dreimal so häufig wie „journalist“. Denn Bloggen war niemals einfacher.

Bloggen als Trend: Journalismus längst überholt?


Mit der Online-Affinität von Bloggern ist diese Beobachtung kaum zu erklären. Die Online-Affinität von potenziellen Journalisten ist im Verlauf dieser Jahre gestiegen. Eher greift wohl das Argument, und das ist jetzt eine Mutmaßung, dass die Beliebtheit des Bloggens einhergeht mit den verbesserten technischen Möglichkeiten und höherem IT-Verständnis unter den Internetnutzern, dem wirtschaftlichen und persönlichen Zwang, auch als festanstellter oder freier Journalist eine Online-Präsenz aufzubauen und zu betreiben und dem Wunsch auch von Nicht-Journalisten, sich mit einem Blog eine öffentliche Stimme zu verschaffen. Siehe zuletzt der Skandal um den Blogger Markus Beckedahl, dem ein Verfassungsorgan einen Landesverrat andichten wollte. Die breite Solidarität mit netzpolitik.org schrieb plötzlich Bloggern die Aufgabe als Kontrollorgan zu. Eine Aufgabe als vierte Gewalt, die bislang nur klassisch ausgebildeten Journalisten vorbehalten schien. Jetzt sind es Blogger, die Gutes im Schilde führen. Sie bringen Haltung in die politische Debatte, wie zuletzt beim Kampf für die Rechte von Flüchtlingen. Und außerdem: Geld kann man auch verdienen.

Vier Motivationen verstärken den Trend zum Bloggen

Bildung von Bloggern

Bildung von Bloggern

In ihrer Studie von 2014 hat die Universität Hohenheim deutsche Blogger zwischen 14 und 72 Jahren befragt. Die Hälfte der Blogger hat einen Hochschulabschluss, der Großteil (immerhin 84,9 Prozent) ist berufstätig. Man kann also nicht sagen, dass Menschen aus Langeweile bloggen oder nichts Ordentliches gelernt haben. Es gibt andere Gründe, selbstbestimmt zu publizieren, ohne über die formale Ausbildung zum Journalisten zu verfügen. Und jeden Journalisten wird die hohe Ausbildung der Bloggen beschämen: Einst galt die Ausbildung zum Journalistenberuf („Volotariat“) wie geschaffen für Studienabbrecher. Es wird jetzt höchste Zeit, dass sich Journalisten den Herausforderungen durch Blogger stellen und die Mechanismen des Internets lernen. Motivation dürfte es genug geben.

Zusammengefasst kann man sagen: Gemeinhin werden, wie zum Beispiel beim Wirtschaftstitel Forbes in den USA, vier Gründe fürs Bloggen genannt.

  1. Das Thema. Wer bloggt, ist der Meinung, etwas Wichtiges zum Thema beitragen zu können.
  2. Die Reputation. Mit Bloggen lässt sich der Ruf zu einem Thema zementieren.
  3. Der Spieltrieb. Der Blogger möchte seinen Punkt machen, Zustimmung sammeln und sich durchsetzen.
  4. Das Geld. Mit guten Texten lässt sich Geld verdienen. Gute Blogger verdienen fünfstellig im Monat.

Bloggen aber richtigIn unserer Blogging-Anleitung, die gratis erhältlich ist, haben wir weitere Gründe genannten und den Weg zum Start eines Blogs aufgezeigt. Die eigene Website macht aus einem guten Schreiber natürlich noch keinen Journalisten. Aber aus einem Journalisten, der gut bloggt, wird ein besserer Journalist, weil er (a) eine bessere Quellenlage erschließt, (b) seine Leser besser findet, (c) Feedback auf seine Text erhält und (d) für die Zukunftsfragen im Journalismus gewappnet ist. Ob der Beruf im Trend liegt oder nicht.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
Kommentare

Eine Antwort hinterlassen