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Beruf des Journalisten: Hier gibt’s das große Dossier

Kürzlich kam am Telefon die unerwartet muntere Ankündigung eines Medienjournalisten: “Ich bin morgen früh um 8 Uhr im Büro zu erreichen.” Die ungläubige Nachfrage wird nicht weniger überrascht geklungen haben: “Um acht? Nicht um zehn? Was sind Sie denn für ein Journalist?” Die Replik überzeugte sofort: Je früher er Texte online stelle, desto mehr Traffic erreiche seine Seite – desto erfolgreicher sei sie halt. Die alte Kausalität des Journalismus: Mehr Leser, mehr Geld.

Nicht allein die frühe Bürozeit ist Ausdruck für den neuen Journalismus, den wir im Internet erleben. Dass ein Redakteur, der festangestellt ist, die wirtschaftlichen Kennzahlen im Blick hat, sogar seinen Arbeitsstil danach ausrichtet: Auch das ist neu. Nicht immer muss es sofort um Erlöse und Verkaufszahlen gehen, wie wir das bei der KPI-Kalkulation für Kombi.de gesehen haben. Online können Redakteure minutenschnell sehen, wie ihre Performance läuft – ob sie nämlich erfolgreich arbeiten. Und ob sie mit Bloggern mithalten können.

Sehr aufschlussreich ist das Dossier zum Beruf des Journalisten, das die Hamburger Statistik-Firma Statista mit aktuellen Umfrage-Zahlen und Fakten angereichert und gebündelt veröffentlicht hat. Dieser Artikel hier fasst die wichtigsten Aussagen zusammen. Das Dossier zum Beruf des Journalisten gibt’s hier – bitte klicken! Natürlich kostenlos.

Beruf des Journalisten halten nur 6 Prozent für wichtig

Journalisten am Arbeitsplatz

Journalisten am Arbeitsplatz

Letztlich hat nur der Journalist Relevanz, der viele Leser hat. Um seine Bedeutung muss jeder Journalist kämpfen: Nur 6 Prozent der deutschen Bevölkerung meint, dass der Beruf des Journalisten auch in der Zukunft für die Gesellschaft besonders wichtig sein wird. Damit liegt das Ansehen der Journalisten hinter der Reputation von Tischlern, Automechanikern, Landwirten und, ja, Politikern.

Und das, obwohl gleichzeitig der Umsatz in der Unterhaltungs- und Medienbranche von 50 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf prognostiziert 70 Milliarden Euro im Jahr 2018 wächst. Vielleicht hat es mit dem Selbstverständnis zu tun, wie Journalisten ihre eigene Rolle definieren.

  • 91 Prozent geht es darum, “komplexe Sachverhalte zu erklären und zu vermitteln,
  • 86 Prozent darum, “das Publikum möglichst neutral und präzise zu informieren,
  • und 76 Prozent darum, “die Realität genauso abzubilden, wie sie ist”.

Die Selbstbeschreibung bestätigt das alte traditionelle Rollenverständnis von Journalisten, wie man es seit der Watergate-Affäre in den 70er Jahren kannte: Die Journalisten sehen sich als Aufklärer und Vermittler. Kein Wort davon, dass die Leser heutzutage an der Aufklärung mitarbeiten, über aktuelle Themen profund diskutieren können und Skandale mit Shitstorms verstärken, die Journalisten also womöglich Herrschaftswissen verloren haben und ein neues Rollenverständnis benötigen: das des Mahners, das des Leuchtturms im Sturm oder das des Entrepreneurs, der mit seinen Botschaften dorthin geht, wo die Leser halt sind, in Social Media. Sendungsbewusstsein alleine wird vermutlich zu wenig sein. Nur jeder vierte Journalist meint, es müsse ihm darum gehen, “dem Publikum eigene Ansichten zu präsentieren”, das heißt: ihm Haltung zu zeigen.

Presserat-Beschwerden belasten Beruf des Journalisten

Papier unterstreicht Tradition

Papier unterstreicht Tradition

Vielleicht haben Journalisten Angst? Die Beschwerden beim deutschen Presserat haben sich innerhalb von zehn Jahren von 746 auf 2009 fast verdreifacht. Besonders hart trifft es Journalisten, die lokal und in der Region arbeiten, weil dort die Reaktion unmittelbar zu spüren ist: Niemand kassierte 2014 mehr Beschwerden, exakt 476. Dabei wollen die Leser auch im Online-Zeitalter guten Journalismus. Die Zahlungsbereitschaft für journalistische Inhalte im Internet wuchs zuletzt von 25 auf 34 Prozent. Neue Angebote wie Pocketstory bieten Freie Journalisten neue Verdienstmöglichkeiten. Aber reicht das, um Unabhängigkeit zu finanzieren und weniger ängstlich zu sein? In Nordrhein-Westfalen verdient ein Freier Journalist durchschnittlich 2212 Euro; in Sachsen-Anhalt, wo journalistische Aufklärung in den radikalen Milieus notwendig wäre, nicht einmal die Hälfte. Gerade mal 1025 Euro im Jahr 2014.

Hier gibt’s kostenlos das Dossier mit vielen Zahlen und Fakten – einfach nur klicken!

Wenn das monatliche Bruttoeinkommen von Freien Journalisten unter 30 Jahren 1749 Euro beträgt – wer will da als junger Mensch noch Journalist werden?

Die drei Herausforderungen im Journalistenberuf

Social Media im Journalistenberuf

Social Media im Journalistenberuf

Die Journalisten sehen die Herausforderungen, die sich ihrem Beruf stellen, deutlich: Glaubwürdigkeit und Reptutation (63 Prozent) sowie Mobile Angebote (52 Prozent) und Digitale Erlöse (40 Prozent). Nur welcher Journalist lernt schon das Geldverdienen im Internet und das Storytelling für iPhone? Jeder zehnte Journalist gibt an, dass er kein Smartphone benutzt. Die Mehrheit von 59 Prozent nutzt das Smartphone wie einst das Nokia-Handy: zum Telefonieren und Versenden von SMS. Der Beruf des Journalisten: Noch immer ein Berufsbild voller Widersprüche.

Das Internet verflacht die Recherche offenbar. Das Internet wird bei journalistischen Tätigkeiten genutzt, um die Nachrichten- und Themenlage zu beachten, Informationen und Material einzuholen, Quellen und Kontaktdaten zu ermitteln. Eigentlich müsste dadurch mehr Zeit zur Verfügung stehen, um tiefer zu recherchieren, oder? Einerseits darf jeder Journalist darauf verweisen, dass durchschnittlich 163 Minuten an einem Arbeitstag recherchiert wird. Andererseits sind die drei meistgenutzten Recherchequellen “Suchmaschinen”, also Google, sowie “E-Mail” und “Eigene Archive”. Nicht unter den Top Ten: das persönliche Gespräch mit Informanten und Experten, sondern u.a. Presseportale, Unternehmenswebsites und, nicht lachen, Facebook.

Wie modern muss ein Journalist im Beruf arbeiten?

Modernes Berufsbild des Journalisten

Modernes Berufsbild des Journalisten

Wie modern muss aber ein Journalist sein und alles ausschöpfen, was ihm das Internet bietet? Jeder zehnte Journalist sieht die Sozialen Netzwerke als “sehr wichtig” für seine Recherchen an. Mehr als zwei Drittel aber, exakt 71 Prozent, betrachten Facebook, Google+ und Twitter als “überhaupt nicht wichtig”, als “eher nicht wichtig” oder allenfalls als “teils/teils wichtig”. Die Redaktionen haben nämlich eine klare Meinung; Social Media diene zur Nutzer- und Leserbindung sowie zum Traffic- und Image-Aufbau. Zielgruppen kennenlernen? Meinen nur 9 Prozent. Zuhören war selten eine Stärke von Journalisten.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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