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Arbeitsort für Journalisten: Wo arbeite ich am besten?

Wo und wie arbeiten Freie Journalisten am besten? Grundsätzlich haben Journalisten fünf Möglichkeiten für einen Arbeitsort, wo sie ihre Texte verfassen können.

  • Zu Hause im Arbeitszimmer oder am Küchentisch.
  • In einem Café wie zum Beispiel Starbucks.
  • In  einer Coworking Location, meist in Großstädten.
  • In einer Redaktion mit großzügigem Gastrecht.
  • In einem eigenen Büro, alleine oder in der Gruppe.

Nicht für jeden Freien Journalisten sind alle fünf Arbeitsorte gleich geeignet. Die Auswahl des passenden Arbeitsplatzes hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: Welche Arbeitsatmosphäre brauche ich an meinem Arbeitsort, eine ruhige oder eine kommunikative Umgebung, und was kann ich mir leisten? Beide Faktoren bestimmen nicht nur die Produktivität beim Schreiben, sondern auch die Kosten. Ein eigenes Büro – das klingt immer gut. Aber wenn die Einnahmen die Miete nicht zumindest mittelfristig übersteigen, nutzt mir das schönste Büro aller Zeit wenig. Dann droht die Pleite.

Vorteile und Nachteile von jedem einzelnen Arbeitsort

Darum sollten Journalisten, die vom Schreiben leben wollen, die Vorteile und Nachteile des zu wählenden Arbeitsplatzes gründlich abwägen.

Alleine am Arbeitsort

Alleine am Arbeitsort

Zu Hause im Arbeitszimmer oder am Küchentisch ist das Arbeiten natürlich am günstigsten. Die Gefahr besteht darin, dass man zu schnell ab gelenkt wird. Ein privater Anruf. Der leere Kühlschrank. Die Schulferien der Kinder. Schnell lassen sich Gründe finden, warum das Verfassen der Story länger als geplant dauert. Wer unter Zeitdruck arbeitet, weil die Aufträge aus der Redaktion ad hoc erfüllt werden müssen, kommt ins Schleudern. Ein Austausch mit Kollegen findet praktisch nicht statt, weil Heimarbeiter in aller Regel Einzelkämpfer sind. Bei Auftraggebern kann außerdem ein falscher Eindruck von Unprofessionalität entstehen, wenn man zu Hause und nicht in einem Redaktionsbüro arbeitet. Den meisten Autoren kann dieses Argument gleichgültig sein. Nur wissen sollte man es, wenn man sein Business betreibt und die Kundensicht kennen will.

In einem Café wie zum Beispiel Starbucks kann das Kommen und Gehen von anderen Gästen sehr inspirierend wirken. Man fühlt sich beim Schreiben mitten im Leben. Wer an diesem Arbeitsort nicht die Konzentration verliert, kann sich glücklich schätzen. Das inzwischen gute WLAN-Netz erlaubt ein komfortables Arbeiten als digitaler Nomade. Leider geht das Arbeiten in Cafés ins Geld: Denn einen Kaffee muss man schon kaufen, wenn man dort zu Gast ist. Jedesmal mindestens drei Euro: Die Ausgabe kann auf Dauer wehtun. Grundsätzlich schwierig wird das Arbeiten an einem öffentlichen Platz wie einem Café erst, wenn man erstens telefonieren muss und zweitens vertrauliche Unterlagen verwendet. Gesprächspartner finden es gar nicht lustig, wenn sie im Hintergrund das Klappern von Geschirr und Stimmengewirr hören, und wie schnell kann es passieren, dass man beim Gang zur Toilette Unterlagen vom Tisch verschwinden oder der falsche Gast einen Blick auf den Bildschirm erhascht.

In einer Coworking Location, die es meistens in Großstädten gibt, ist die Gefahr kleiner. Obwohl die Bürogemeinschaft ständig wechselt und deshalb eher lose Banden zulässt, ist das Gefühl stärker, dass man „unter sich“ ist. Wer hier arbeitet, hat ein gemeinsames Interesse, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt. Der Treffpunkt der Digital- und Kreativ-Szene an einer Coworking Location ist auf eine Zusammenarbeit von Kompetenzen ausgerichtet. Der große Vorteil besteht darin, dass man für jedes einzelne Problem (zum Beispiel Webdesign, Fotos, Suchmaschinenoptimierung und mehr) einen Fachmann irgendwo an einem Tisch sitzen hat, den man spontan fragen kann. So entstehen zwangsläufig geschäftliche Beziehungen auf Zeit, die für allen Seiten fruchtbar sind. In den Beta Häusern in Hamburg und Berlin werden obendrein Veranstaltungen zum Kennenlernen und Lernen angeboten („Workshops“), um dieses Miteinander dauerhaft zu stärken. Umsonst ist auch dieser Service nicht: Die Preise reichen von Tages- bis Monatsbasis, von freier Platzwahl bis zum festen Schreibtisch oder sogar festen Büro.

Gemeinsam am Arbeitsort

Gemeinsam am Arbeitsort

In einer Redaktion mit großzügigem Gastrecht ist die Beziehung zum Auftraggeber, nämlich der Redaktion, ungleich enger, wenn man dort arbeiten und sogar einen festen Schreibtisch beziehen darf. Allerdings: Die Gefahr der Scheinselbständigkeit wächst mit jeder Woche, die man dort verbringt. Freie Journalisten, die fest in einer Redaktion arbeiten, sind nicht selten so unersetzbar in Arbeitsprozesse eingebunden, dass Arbeitsrechtler juristisch nicht mehr zwischen Angestellten und Freien unterscheiden können. Die Situation einerseits für die Redaktionen und ihre Verlage gefährlich: Sollten die Sozialbehörden nachträglich eine Statusfeststellung anstrengen und zum Schluss kommen, dass der Freie Journalist gar nicht frei, sondern angestellt gearbeitet hat, werden Sozialbeiträge in einem erheblichen Umfang zugunsten des Journalisten und der öffentlichen Kassen fällig. Der Journalist sollte sich darüber nicht unbedingt freuen: Andererseits verliert er nämlich nachträglich die steuerliche Anerkennung seiner selbständigen Arbeit und muss womöglich die Steuerersparnis für alle Arbeitsgeräte, die er über Jahre von der Steuer abgesetzt hat, an den Fiskus zurückzahlen. Und das alles nur, weil er wie ein Angestellter in einer Redaktionen permanent gearbeitet hat. Da werden die Annehmlichkeiten eines Verlagshauses, zum Beispiel Kantinenbesuch, Kaffee in der Teeküche und direkter Austausch mit dem Auftraggeber, fast zur Nebensache am Arbeitsort.

Experten helfen bei der Wahl vom Arbeitsort

In einem eigenen Büro, alleine oder in der Gruppe, besteht die Gefahr der Scheinselbständigkeit natürlich nicht. Dort tauchen ganz andere Probleme auf. Kann ich mir die Miete leisten? Was kostet die Infrastruktur mit Telefon- und DSL-Anschluss? Wie hoch wird der Aufwand für Büromöbel und Kaffeemaschine? Und bin ich nah genug am Geschehen, worüber ich berichte, und am Auftraggeber? Solche Gewerbeimmobilien haben den wichtigen Vorteil, dass man dem Finanzamt nicht mehr die Ernsthaftigkeit des Unternehmens und den Auftraggebern die Professionalität der Arbeit erklären muss. Wer seine eigene Geschäftsadresse ausweist, will sein eigenes Business erfolgreich betreiben. Bei den Kosten muss man den Fachleuten vertrauen und wirklich alle Komponenten, die in den Fragen einzeln aufgelistet wurden, im Gesamtblick betrachten. Ratsam ist es, wenn man sich für die Suche an Spezialisten wie z.B. JLL wendet, die einem dabei helfen können, die richtige Immobilie zu finden. Die steuerliche Absetzbarkeit ist, wie gesagt, unbestritten. Dennoch sollte man bescheiden anfangen. Am Anfang braucht man kein Büro in der teuren Nachbarschaft einer Fußgängerzone (Laufkundschaft haben Journalisten nicht) und nicht zwingend einen Concierge-Service oder eine Empfangsdame am Arbeitsort. Wichtiger ist die Frage, ob man das Büro alleine beziehen oder mit einem Kollegen die Kosten teilen möchte. Bei Büro-Teilung auf eigene Rechnung unbedingt auf eine glasklare vertragliche Regelung beharren, auch unter Freunden. Zum einen hört bei Geld die Freundschaft auf. Zum anderen will das Finanzamt immer Nachweise sehen.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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