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Redaktionsbüro: 10 Fragen an Appelt & Huth

Was kommt nach dem Volontariat? Diese Frage haben sich zwei junge Journalisten aus dem Ruhrgebiet im Sommer 2013 gestellt. Tobias Appelt und David Huth wählten den Weg in die Selbstständigkeit. Sie eröffneten in Duisburg das Redaktionsbüro Appelt & Huth – und die Sache lief gut an. Inzwischen ist der Name der Firma eigentlich nicht mehr aktuell. Denn seit Mai 2015 arbeiten sie zu dritt in ihrem Redaktionsbüro. Denis de Haas, der nach dem Volontariat zunächst zu Sport1 nach München ging, kehrte zurück ins Revier. Wie aber funktioniert ein Redaktionsbüro? Wo liegen die Vorteile? 10 Fragen an die drei Journalisten von Appelt & Huth.

Was haben Freie Journalisten davon, sich zu einem Redaktionsbüro zusammenzuschließen?

Tobias Appelt: Als wir uns vor dem Start des Redaktionsbüros Gedanken gemacht haben, wie wir uns aufstellen wollen, da stand schnell fest: Alleine arbeiten bringt nur Nachteile. Du bist krank – kein Geld. Du fährst in Urlaub – kein Geld. Du bist überlastet – deine Auftraggeber werden unzufrieden. Als Redaktionsbüro ist das anders, weil wir als Firma aufgestellt sind. Aber nicht nur wir profitieren davon, sondern auch unsere Auftraggeber. Sie haben Planungssicherheit, weil immer ein Ansprechpartner da ist, egal was passiert.

Sind Freie Journalisten nicht klassischerweise Einzelkämpfer?

David Huth: Ja, so denken sicherlich viele Kollegen. Aber warum eigentlich? Journalisten gehören zu den freien Berufen, wie beispielsweise Architekten, Steuerberater oder Rechtsanwälte auch. Dort ist es im Gegensatz zu unser Branche üblich, sich zusammenzuschließen, um einen besseren Job zu machen. Während wir auf die unterschiedlichen Kompetenzen und Stärken unseres Dreier-Teams zurückgreifen, kann sich der Einzelkämpfer nur auf sich selbst verlassen. Dass wir das anders machen, ist gut für unsere Kunden – und das ist gut für unsere Firma.

Redaktionsbüro ohne Konkurrenzsituation

Redaktionsbuero Appelt und Huth

Zu dritt im Redaktionsbüro. Von links: Denis de Haas, David Huth und Tobias Appelt

Wie oft kommen im Alltag Konkurrenzsituationen vor?

Denis de Haas: Innerhalb des Teams gibt es keine Konkurrenz. Als Redaktionsbüro sind wir eine Firma. Und daher geht es auch immer zuerst darum, als Team die Firma voranzubringen. Würden wir anders denken, dann würde ein Redaktionsbüro nicht funktionieren.

Spürt man als Freier Journalist Druck aus der Bloggerszene?

Tobias Appelt: Nein, Druck spüren wir nicht. Die Grenzen zwischen der Bloggerszene und dem klassischen Journalismus verwischen ohnehin zusehends. Netzpolitik.org zum Beispiel macht in ihrem Themenbereich eine bessere Arbeit als viele klassische Medien und bezeichnet sich selbst als „Blog“. Im Netz entstehen ständig neue Formate, die es nur mit den großen Verlagen und Medienunternehmen nicht geben würde. Davon profitieren auch wir. Seit dem vergangenen Sommer arbeiten wir beispielsweise für das Portal „Handelsimmobilien Heute“. Dahinter steckt kein großer Medienkonzern, sondern zwei Kollegen, die eine gute Idee hatten.

Welche Argumente haben Freie Journalisten für sich?

David Huth: Wir haben den Beruf gelernt. Erst durch Freie Mitarbeit während des Studiums, später durch das Volontariat bei der WAZ (heute: Funke Mediengruppe). Kurzum: Wir haben unser Handwerk gelernt. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir ein Team sind. Kein Text verlässt unser Büro, ohne dass er durch mehrere Hände gegangen ist.

Sind die Zeiten für Freie Journalisten nicht schwerer geworden?

Denis de Haas: Ob die Zeiten schwerer geworden sind, das lässt sich kaum pauschal beantworten. Letztendlich hängt es wohl auch davon ab, wie viel Einsatz man zeigt, und wie das eigene Selbstverständnis ist. Unsere Auftragslage zum Beispiel ist gut, Gründe zum Klagen haben wir nur wenige. Sieht man aber das Freien-Dasein nur als Notlösung bis zur Festanstellung, dann geht man kaum mit dem richtigen Elan an die Sache heran – und kommt auf keinen grünen Zweig.

Ist es nicht der ewige Traum, endlich eine Festanstellung zu bekommen?

Tobias Appelt: Nein, wir haben uns bewusst dafür entschieden, als Freiberufler-Team zu arbeiten. Job-Angebote haben wir bereits mehrfach ausgeschlagen. Der Redakteursvertrag garantiert im Jahr 2017 ohnehin keine berufliche Sicherheit mehr. Jeder in unserer Branche kennt doch Kollegen, deren Redaktionen aus Kostengründen geschlossen wurden. Vielen fällt es dann schwer, sich neu aufzustellen. Das Problem haben wir nicht. Wir sind daran gewöhnt, dass wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.

Worauf sollten Freie Journalisten bei der Gründung eines Redaktionsbüros achten?

David Huth: Planung ist alles. Und nicht nur bei der Gründung gilt es einiges zu beachten, sondern auch in der Zeit danach. Das sollte man nicht unterschätzen. Wer als Selbstständiger erfolgreich sein will, muss sich darauf einstellen, dass jede Menge Arbeit auf ihn zukommt. Mit einer 40-Stunden-Woche ist es nicht getan.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

Denis de Haas: Von übertriebenem Idealismus sollte man sich verabschieden. Der Wunsch, Geschichten zu erzählen und die Welt zu verbessern, ist ja nett, aber man muss damit auch Geld verdienen. Nicht falsch verstehen, der Journalismus erfüllt eine wichtige Aufgabe. Aber letztendlich ist er auch ein Beruf, mit dem wir unseren Lebensunterhalt verdienen müssen. Und hier gilt für Selbstständige das gleiche wie in jeder anderen Branche: Wer nicht betriebswirtschaftlich denkt, kommt nicht voran.

Wer macht am besten die Kasse?

Alle: Derjenige, der gerade Zeit hat, die Rechnungen zu schreiben.

Pit Gottschalk hat als Entrepreneurial Journalist und Digital Publisher Medienmarken wie Sport-Bild und Top.de aufgebaut und geprägt. Er ist Board Member in der International News Media Assoziation (INMA) und berät weltweit Medienunternehmen Weitere Artikel von Redaktion
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